Dienstag, 18. April 2017

Besternter Whiskey in der Teetasse

Der Whiskey ist nun nicht nur fertig gestickt, sondern auch besternt.
Frau Jule hat sich hier und hier gewünscht, dass wir etwas zu den politischen Dimensionen unserer aktuellen Werkelprojekten erzählen, damit dem Eindruck entgegen gewirkt wird, dass Handarbeiten per se unpolitisch seien. Hier habe ich mich in den Kommentaren schon sehr angenehm ein bisschen darüber unterhalten - heute möchte ich am aktuellen Projekt loslegen.

Meine "She's Whiskey in a Teacup"-Kissenhülle hat mittlerweile eine gestickte Teetasse bekommen. Eigentlich wollte ich applizieren, habe mich dann aber doch dagegen entschieden - gestickt war es schneller und für mich aufgrund größerer Erfahrung auch einfacher.
Außerdem habe ich das geplante Sternenpatchwork in meiner geliebten English Paper Piecing-Technik ergänzt. Ich mag die Wirkung jetzt schon und freue mich darauf, wie die Quiltnähte die verschiedenen Elemente noch stärker verbinden werden.

Was zum Henker ist daran jetzt so politisch, wollt ihr wissen?
In diesem Post würde ich gerne mit einem Aspekt anfangen, der hier im Blog bisher eher bei Kleidung angesprochen wurde: 2nd Hand. Die verwendeten Stoffe sind nämlich ursprünglich allesamt Bettwäsche meiner Großeltern gewesen. Sie sind also mehrere Jahrzehnte alt und werden in Kissenform hoffentlich noch einmal diverse Jahre überleben.
Das ist insofern relevant (und eine politische  Materialentscheidung), weil Baumwollherstellung alles andere als umweltfreundlich ist. Der Wasserverbrauch ist aufgrund von künstlicher Bewässerung immens, es werden unheimliche Mengen an Pestiziden eingesetzt und die Arbeitsbedingungen sind extrem fies, besonders auch für Frauen und Kinder. Beim Überfliegen dieser Informationen zum konventionellen Baumwollanbau ist mir persönlich ganz schön schwummrig geworden - auch wenn ich mir beispielsweise Quellenangaben wünschen würde, um die Infos nachverfolgen zu können. Sie gehen aber insgesamt in Richtung dessen, was ich sonst so zum Thema gelesen habe und bestärken mich daher einmal mehr darin, zunehmend 2nd Hand-Produkte im weitesten Sinne zu verwenden, aus Altem Neues zu machen und Reste aufzubrauchen, wo es eben möglich ist. Denn tatsächlich tue ich es viel zu selten und habe entschieden zu viel konventionellen, neuen Stoff im Haus.
Achtet ihr darauf, nachhaltig produzierte Materialien zu verwenden?

Sobald ich angefangen habe zu quilten, würde ich gerne auch noch ein bisschen über die verwendeten Farben und den Text des Projekts schreiben - und deren (feministische) Implikationen.
Was man diesem Projekt selbst nicht ansehen kann, ist, was ich nebenher so gehört habe. Weil das auch nicht immer unpolitisch ist, möchte ich auch demnächst auch mal vorstellen, welche Podcasts hier laufen, während ich sticke und patchworke.
Vorher schaue ich mit diesem Post noch bei den DienstagsDingen, Handmade on Tuesday und dem creadienstag vorbei und finde heraus, ob sich dort weitere politische Inhalte irgendeiner Art tummeln.

Kommentare:

  1. yeah! coole farbkombi! und ein schöner text. ich frage mich nur immer, wo ich irgendwas in richtung "dümmlich" erwähnt habe... aber egal. danke für deinen beitrag. der kommt gleich in die sammlung.
    liebst,
    jule*

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    1. Oh, wahrscheinlich hast du das Wort "dümmlich" dann gar nicht verwendet! Vermutlich ist das mein Empfinden des Wortes "Handarbeitsmutti". Das klingt für mich so nach "Hirn abgegeben, dusslig herumwerkeln". Ich guck nochmal, was für ein Wort du vielleicht tatsächlich hast.^^

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  2. Sehr cool! Die Stickerei finde ich sowieso prima, mit dem Stern drumherum kommt sie noch mehr zur Geltung.
    Ich stehe auch total auf second-hand und wenn es dann sogar noch einen persönlichen Bezug zu den verwendeten Stoffen gibt ist das natürlich noch besser.
    Ich bin sehr gespannt auf deine angekündigten Texte! :)
    Liebe Grüße
    Antje

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    1. Vielen Dank!
      Mir ist irgendwann aufgefallen, dass ich - gerade weil ich ja auch meist kontrastfarben quilte - die Kombination von Stickerei und Patchwork ganz besonders schön finde.

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  3. Gutes, gutes Stichwort - ich bewahre alleallealle Stoffe auf, und jetzt wünschte sich das Kind jüngst eine genähte Riesenschlange. Und ich habe was gesichtet? Die auch bei mir zu zahlreichen gekauften Stoffe. Dabei habe ich noch zwei große Boxen mit gehorteten Altschätzen da (auch Bettwäsche, Vorhänge, alte Klamotten) - die werde ich mal auf Schlangentauglichkeit sichten.
    Bei mir ist Material ganz klar die große Achillesferse (ich schwelge so gern darin) - ich verwende keine Merinowolle mehr, wegen des Mulesing, aber Baumwolle hatte ich bisher noch gar nicht so bewusst auf dem Schirm. Wie sieht es denn mit Bio-Baumwolle aus - in Sachen irrwitziger Wasserverbrauch zumindest wohl nicht besser, hm?

    Liebe Grüße
    Maike

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    1. Oh ja, ich habe auch eine große Restesammlung.^^ Meist wird bei mir Patchwork daraus, aber irgendwann vielleicht auch mal eine Riesenschlange. Die stelle ich mir übrigens sehr großartig vor! Ich wünsche viel schlangentaugliches und viel Spaß beim Nähen! :)
      Mulesling habe ich einmal in einer Doku gesehen. Blöderweise auf 15 riesigen Bildschirmen in der Elektronik-Abteilung im Saturn. Da kannst du ja nicht mal weggucken, wenn du es möchtest. Das war nicht schön und hat mich ziemlich überzeugt.^^°
      Bei Bio-Baumwolle fürchte ich, dass man sich da die Anbieter einzeln angucken muss, um herauszufinden, wie sie ihre Bio-Artigkeit begründen und wie sie anbauen. Ich fürchte aber auch, dass der Wasserverbrauch das sein könnte, woran man am wenigsten schrauben kann.

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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