Dienstag, 12. Dezember 2017

[Rezension] The Slow Regard of Silent Things

"The Slow Regard of Silent Thing" von Patrick Rothfuss

"The Slow Regard of Silent Things" ist eine kurze Geschichte, die Teil der "Kingkiller Chronicles" von Patrick Rothfuss ist - eine Trilogie, von der derzeit zwei Bände veröffentlicht sind. Die Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf den dritten Band um Kvothe, der in einer Spielmannsfamilie aufwächst, dann einige Jahre als Straßenkind verbringt und schließlich auf einer legendären Universität zum größten Magier aller Zeiten wird. (Da ich beide Bücher erst in der deutschen Hörbuchvariante kenne, findet sich in diesem Blog noch keine Rezension - zu verfälscht ist mir die Geschichte durch die doppelte Interpretation.)

"The Slow Regard of Silent Things" ist nicht lang, gerade mal 80 Seiten. Was darin passiert, ist schwer zu sagen - nicht zuletzt, weil man die ersten beiden Romane kennen muss, um sich überhaupt zurecht zu finden. Gezeigt wird das Leben der Nebenfigur Auri, die allein in den verschlungenen Gängen und Kammern tief unter der Universität lebt, das sie das im englischen Original das "Underthing" nennt. Gezeigt ist dabei durchaus auch wörtlich zu nehmen, denn "The Slow Regard of Silent Things" ist üppig illustriert mit filigranen Zeichnungen von Nate Taylor.
 Über sieben Tage hinweg begleitet man Auri auf ihren täglichen Wegen und bei ihren Aktivitäten. Beispielsweise macht sie Seife oder bemüht sich, den richtigen Platz für Fundstücke zu finden. Das klingt nicht nach einem "richtigen" Plot mit irgendeinem zu lösenden Konflikt? Ist es auch nicht. Im Prinzip ist es die Charakterstudie einer Figur, die von vielen Fans geliebt wird, stellenweise poetisch, mit traumhafter Atmosphäre und genauso seltsam wie ihre Hauptperson, sie sich irgendwo zwischen Abflussrohren herumschlängelt und darüber nachdenkt, wo sich ein beschädigtes Zahnrad wohlfühlen könnte.

Man folgt Auri, bekannt aus "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear", in ihr unterirdisches Reich.
Mich hat zu keinem Zeitpunkt gestört, dass das Buch seltsam ist. Das ist stimmig. Was mich stört, ist, wie wiederholt und energisch in Vor- und Nachwort darauf hingewiesen wird, dass dieses Buch seltsam ist. Als hätten die Lesenden nicht selbst die Möglichkeit, das auf 80 Seiten zu bemerken. Es ist in meinen Augen absolut unnötig, dass Patrick Rothfuss insgesamt viermal erwähnt, dass er auch nach zigfachen Korrekturdurchläufen und Dutzenden Beta-Lesenden unsicher war, ob "The Slow Regard of Silent Things" wirklich veröffentlicht werden sollte. Dieses Verhalten erinnert mich an eine Person, die eine Kontaktanzeige in der Lokalzeitung aufgibt und darauf hinweist, dass sie "ein bisschen verrückt, hihi" ist.

Meine Empfehlung: Lest das Buch, wenn ihr "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear" mochtet. Aber lasst Vor- und Nachwort weg. Sie nerven. Und haben zumindest meine Augen so in den Hinterkopf gedreht, dass ich Auris Geschichte beinahe nicht zu Gesicht bekommen hätte.

Besonders begeistert haben mich die verträumten, zarten Illustrationen von Nate Taylor.

Samstag, 9. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Work in Progress meines regenbogenbunten CSD-Linkparty-Kissens - mit Tee.
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Meine steht im Zeichen des nahenden Umzugs - der Lieblingsmensch hat gestern die gemeinsame Wohnung bereits vorab bezogen, bei mir kündigen sich potenzielle Nachmieter*innen an. Weil meine Vermieterin eigentlich heute Vormittag jemandem mein kleines Dachgeschoss zeigen wollte, habe ich bereits unter der Woche geschrubbt und dabei immer wieder auch nachdenklich einzelne Dinge betrachtet: Ob die wohl in den Koffer passen und mit nach Berlin dürfen? Ich bin mir bei vielem unschlüssig, gerade weil meine Transportmöglichkeiten auf Rucksack und Koffer beschränkt sind. Wenn man weiß, dass man noch ungefähr 60 Kilogramm transportieren kann, fällt einem zum Einen auf, wie viel Kram man besitzt und zum Anderen, an was man wirklich hängt. Mal sehen, ob sich das einigermaßen einpendelt - für meine Bücher habe ich mir schon vorgenommen, sie mir liefern zu lassen.

Der Fall Kristina Hänel lässt mich auch in dieser Woche nicht los. Im HR-Inforadio gab es den Beitrag "Paragraf 219a - brauchen wir eine neue Abtreibungsdebatte?". Darin geht es nicht nur um den besagten Paragrafen, der beispielsweise Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet, sondern unter anderem auch um Beratungsgespräche, Statistiken zu Schwangerschaftsabbrüchen und Stellungnahmen von Politikerinnen verschiedener Parteien sowie Kirchenvertretern. Hörenswert!
(Und wäre ich nicht kürzlich eh bereits aus der katholischen Kirche ausgetreten, wüsste ich jetzt wieder, warum es höchste Eisenbahn ist.)

Dank eines Cosmo-Videos auf Facebook (auch ohne Account hier zu sehen), bin ich auf die polnische Künstlerin Monika Drożyńska gestoßen. "Das Sticken ist für mich eine politische Aktion. [...] Als Handwerk wurde es vom Kapitalismus geschluckt. Wir können es uns zurückholen, gemeinsam wirken", meint sie. Ich freu mich ja immer über politisches Handarbeiten (Jules monatliche Aktion kennt eh jede*, die* hier liest, oder?).

In der neuesten Episode des Lila Podcasts sprechen Barbara Streidl und Susanne Klingner über gleichberechtigte Beziehungen, feministische Partner und Pläne für 2018. Hab ich wie üblich gerne gehört.

Ausführliche (feministische) Buchtipps geben Katrin Rönicke, Susanne Klingner und Barbara Streidl außerdem hier im KleinesGespräch Adventskalender. Nachdem ich mir vergangenes Wochenende unheimlich viele Regale aufgestellt habe, müssen die ja gefüllt werden. Vielleicht hat ja eine von euch ein ganz ähnliches "Problem"?

Mit meinem Tee springe ich nun rüber zum Samstagsplausch bei Andrea und lese nach, was euch in dieser Woche beschäftigt hat.

Samstag, 2. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden


Symbolbild: Der Untersetzer von Antje liegt nach wie vor unter meiner Lieblingstasse.
Hallo ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Ich hoffe, sie war wirklich nett zu euch und hat euch nicht mehr aufgebürdet, als ihr auf einmal tragen konntet und wolltet.
Für mich ist besonders das Wochenende aufregend. Während ich das bei Andreas wöchentlichem und sehr liebgewonnenem Samstagsplausch verlinke, mache ich mich nämlich in Berlin bereit, um zu IKEA zu fahren. Grundsätzliche Möblierung der Wohnung wird angeschafft, da ich bei meinem Umzug quer durch die Republik keine Möbel mitschleppen werde (und für ein langsames Zusammensammeln auf Flohmärkten keine Zeit ist). Der Plan: So viele Bücherregale, wie irgendwie möglich! Drückt mir doch bitte die Daumen, dass der Lieblingsmensch und ich nach diesem Samstagvormittag im IKEA immer noch zusammenleben wollen...

Um die Vorfreude auf den IKEA-Besuch in Balance zu bringen, habe ich mich diese Woche weiterhin mit dem Fall der Gießener Ärztin Kristina Hänel beschäftigt. Auch Margarete Stokowski hat den Fall in ihrer Kolumne aufgegriffen - und die ist wie üblich lesenswert. Mein persönlicher Lieblingssatz: ""Gebärmutter" ist nicht die Funktionsbeschreibung eines ganzen Menschen, sondern ein Organ." Es stehen aber auch viele andere gute, wichtige Sätze drin - beispielsweise darüber, dass jeder andere Arzt auf seiner Webseite völlig selbstverständlich kundtut, welches Spektrum seine Arbeit umfasst und auch, warum es so problematisch ist, das bei Schwangerschaftsabbrüchen nicht zu tun.

Kurz nach dem Urteil hat die Ärztin auch ein Interview gegeben, das auf Change.org veröffentlicht wurde. Das fand ich auch sehenswert, hier ist es bei Facebook zu finden und auch ohne Mitgliedschaft anschaubar.

Letzten Samstag hatte ich ja schon erwähnt, dass das Umfeld von Frau Hänel Spenden sammelt, um ihr finanziell beizustehen. Am Dienstag betrug der Kontostand bereits über 7000 € (Quelle), die Geldstrafe ist damit also bereits abgedeck. Mich hat das sehr gefreut!

Einen weiteren bewegenden Artikel habe ich auf ZEIT ONLINE gefunden. Eine Redakteurin mit vietnamesischen Wurzeln erzählt von ihrer Kindheit, die stets von Abschiebung bedroht war, über Freunde der Familie, die plötzlich nicht mehr da waren, über die stets gepackten Notfalltaschen neben der Tür. Durchsetzt ist der Bericht von Protokollschnipseln aus Fragen der Behörde und Antworten ihres Vaters.

Zuguterletzt habe ich bei Deutschlandfunk Kultur noch einen kurzen Beitrag über Roller Derby gehört, der in ein paar Minuten erklärt, was diesen sport "partizipatorisch, inklusiv und feministisch" macht. Häufiger mal Roller Derby genießen zu können, ist ja einer der Gründe, warum ich mich auf Berlin freue.

Habt alle ein tolles Wochenende und erholt euch gut!

Samstag, 25. November 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Symbolbild: Der Untersetzer von Antje ist immer noch mein täglicher Begleiter
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Meine war gefühlt sehr kurz. Am Donnerstag hatte ich frei, weil der Schornsteinfeger zur Kontrolle vorbeikam. Während er anschließend in der Nebenwohnung randalierte, las ich bei der fabelhaften Maike davon, dass ihr Mann aus der Kirche austreten wird. Das ist etwas, das ich schon seit geraumer Zeit vorhabe. Mit der geraumen Zeit meine ich diverse Jahre. Warum es dann nie passiert ist? Die üblichen Gründe: mit anderen Dingen beschäftigt, zu den Öffnungszeiten des Standesamtes anderswo (=arbeiten), prokrastinierend. Man kennt das ja. Aber wie ich so Maikes Post vor Augen und einen ganzen freien Nachmittag zur Verfügung hatte, war der Entscheidung endlich getroffen. Eine Stunde später war ich konfessionslos. (Weil das für mich zuständige Standesamt nämlich am Donnerstagnachmittag geöffnet hat und mir daher keine Gelegenheit gegeben wurde, das nochmal um ein paar Jahre zu verschieben.)

Ziemlich ähnlich war das, als ich damals bei der wunderbaren Frau Jule davon las, dass sie sich bei der DKMS als potenzielle Knochenmarkspenderin registriert hat.
Offenbar bin ich ein Mensch, der hin und wieder virtuelle Tritte in den Po braucht, um Zeug zu erledigen, das irgendwo unter der Oberfläche herumwabert. Ihr auch? Dann klickt auf die Links oben und macht mal.

Geärgert habe ich mich in dieser Woche auch - besonders, als die launige obere Hälfte längst getippt war. Und zwar darüber, dass die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Wofür? Dafür, dass sie auf ihrer Webseite Informationen über Schwangerschaftsabbrüche zur Verfügung gestellt hat.

So sieht diese "Werbung" aus. (Screenshot, http://kristinahaenel.de/page_abbruch.php)
Verurteilt werden konnte die Ärztin auf Grundlage des Paragrafen 219a des Strafgesetzbuchs, der in Deutschland das Werben für Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Dieser Artikel auf Legal Tribune Online erläutert die rechtlichen Hintergründe; beim Lesen habe ich mir mehrmals an den Kopf gelangt.

Damit die Ärztin die Kosten nicht alleine tragen muss, haben Unterstützer*innen eine Spendenaktion gestartet, die ihr bei Interesse hier finden könnt. Ich werde spenden. Weil ich Wert darauf lege, diese Frau zu unterstützen, die ihrerseits trotz mehrerer Anklagen Menschen in Ausnahmesituationen unterstützt hat. Weil ich es verdammt wichtig finde, dass ungewollt Schwangere auf der Suche nach Informationen genau diese finden - und nicht nur die Seiten militanter Abtreibungsgegner. Weil ich mir wünsche, dass dieser Fall Bewegung in die Debatte bringt - und vielleicht sogar einen Schritt in eine rechtliche Veränderung.

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch setze ich mich heute zu Andrea in die wöchentliche Plauschrunde, um zu lesen, was euch im Moment bewegt.

Habt ein schönes Wochenende!

Mittwoch, 22. November 2017

[3 of a kind] Dinge, für die ich dankbar bin

Dankbarkeit ist heute das Thema bei 3 of a kind.
Im  November möchte Sas gerne wissen, für welche drei Dinge wir dankbar sind. Ein schönes Thema, finde ich! Ehrlich gesagt ist es mir fast schwer gefallen, mich für drei Sachen zu entscheiden. Denn natürlich ist nicht immer alles glitzrig und perfekt, aber insgesamt bin ich im Moment sehr zufrieden mit meinem Leben - und dafür bin ich sehr dankbar.

Vor ein paar Wochen habe ich hier im Blog erzählt, dass ich nach Berlin ziehe. Da war noch nicht ganz klar, wo und wie es dort weitergeht, aber seit einigen Tagen weiß ich: Der Lieblingsmensch und ich haben eine gemeinsame Wohnung in Berlin gefunden. Ehrlich gesagt ist es auch noch die erste Wohnung, die wir uns gemeinsam angeschaut haben. Eine Wohnung, die Liebe auf den ersten Blick war - mit Dielenfußboden, gemütlicher Küche, Badewanne und sogar einem Balkon. Die Erleichterung und Dankbarkeit, die ich dafür empfinde, ist immens, ist doch auch Berlin kein einfaches Pflaster, wenn es um Wohnungssuche geht.

Turku in Finnland bleibt trotz Umzugs nach Berlin meine Herzensstadt.

Mein Auslandssemester in Finnland darf in dieser Liste nicht fehlen. Ich weiß, das ist ein Thema, auf das ich immer und immer wieder zu sprechen komme.
Aber die Erfahrung, in einem Land zu sein, wo ich keine der beiden Landessprachen spreche (Schwedisch habe ich dann ein kleines bisschen gelernt, finnisch kann ich nur wenige Worte lesen), fand ich unglaublich augenöffnend. In einem Bus zu sitzen, ohne irgendeine Idee zu haben, wovon die anderen reden. In einem Supermarkt dem aufgeregten Wortschwall einer  Kassiererin zuzuhören, ohne auch nur den blassesten Dunst zu haben, was sie möchte. Sich verlaufen und für ein paar Minuten niemanden finden, mit dem man eine gemeinsame Sprache hätte. Das waren alles mehr oder weniger unangenehme Erfahrungen in dem Moment, aber die haben mir sehr viel gegeben und meinen Horizont gewaltig erweitert.
Viel schöner als die Erfahrung völliger Verständnislosigkeit war die Möglichkeit, vier Monate lang nur zu studieren, was mich wirklich akut interessiert, mich in der Bibliothek nach Lust und Laune einzugraben und meine Hausarbeitsthemen wirklich ganz frei zu entscheiden - ich habe das Studieren an sich nie mehr geliebt als in Finnland.

Die Bilder stammen alle von der Halbinsel Ruissalo - ich bin sehr dankbar dafür, dort gewesen zu sein.

Und zuguterletzt noch: Das Internet. Es ist meine Verbindung zum Lieblingsmenschen, der noch ein paar Monate weit weg wohnt. Zu meinen Freundinnen und Freunden, die größtenteils ebenfalls weit weg wohnen. Es ist der Ort, an dem ich die meisten dieser Freundinnen und Freunde kennen gelernt habe. Der Ort, wo sich mein Horizont stark erweitert hat - wo ich beigebracht bekommen habe, wie man stickt, wo mir feministische Perspektiven aufgezeigt wurden, wo ich die Podcsts finde, die ständig laufen. (Das gleicht für mich mehr als aus, dass das auch der Ort ist, wo ich mich mit irgendwelchen Trollen in Kommentarspalten streite...)

Wofür seid ihr dankbar?

Samstag, 18. November 2017

[Samstagstee] mit tollen Menschen

Symbolbild: Der Untersetzer von Antje ist nach wie vor mein täglicher Begleiter.
Hallo ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Meine war geprägt von Vorfreude auf dieses Wochenende, das ich mit ein paar meiner liebsten Menschen überhaupt verbringen werde, die samt und sonders zu weit weg wohnen. Da sich diese Entfernung aber noch vergrößern wird, wenn ich im Winter umziehe, bin ich glücklich um jeden gemeinsamen Tag. Mehr noch, wenn der von einer Pyjama-Party (jep!) geprägt sein wird, die sich nicht zuletzt durch einen Haufen leckeres Essen auszeichnen wird.

Bis es soweit ist, hatte ich aber das Vergnügen, offline wie online auf tolle Menschen zu treffen.

Ich betrete ein Schuhfachgeschäft. Eine übers Regal gebeugte Angestellte niest infernalisch und ich wünsche "Gute Besserung!" Sie strahlt noch, als ich sie kurz darauf um den zweiten Schuh eines Paars bitte. Als sie ihn mir Minuten später aus dem Lager bringt, drückt sie mir noch einen Zeitschriftenausschnitt in die Hand: Einen Gutschein. "Weil Sie so nett sind", sagt sie und zwinkert mir verschwörerisch zu. "Geben Sie den einfach an der Kasse mit ab." 

Solche Begegnungen freuen mich. Ich mag es, wenn ich für einen kleinen Moment ganz vertrauten Kontakt mit eigentlich wildfremden Menschen habe. Gleichzeitig lassen diese Augenblicke mich immer ein bisschen ratlos zurück, denn meiner Meinung nach tue ich nichts außergewöhnliches oder besonders hervorhebenswertes, wenn ich andere Menschen grüße, "bitte", "danke" und "auf Wiedersehen" sage oder ihnen eben Gesundheit wünsche. Wenn dieses Verhalten dennoch so viel Freude auslöst, frage ich mich schon, wie andere Kund*innen so auftreten.

Aber auch online bin ich auf tolle Menschen gestoßen, etwa auf dieses Interview der Frankfurter Rundschau mit Nnedi Okorafor, in dem die Fantasy- und Science Fiction-Autorin erzählt, dass sie unter anderem deshalb angefangen hat zu schreiben, weil sie keine komplexen schwarzen Mädchen- und Frauenfiguren in diesen Genres fand. Ich muss gestehen, ich hatte bisher noch nicht von ihr gehört. Aber nach diesem Text bin ich neugierig und werde die Augen nach ihr offen halten, denn außergewöhnliche Fantasy-Romane haben immer einen Platz auf meiner Leseliste. 

Beeindruckt hat mich auch dieses Interview mit Deniz Yükcel. Diese Eloquenz, dieser Humor und diese Hoffnung angesichts einer Haftsituation, die er selbst als Folter kategorisiert, haben mich sehr berührt. “Die Frage ist nicht, ob ein autoritäres Regime zusammenbricht; die Frage ist, welche womöglich irreversiblen Schäden es bis dahin am Schicksal Einzelner, an der Gesellschaft, an der Natur und am kulturellen Erbe anrichtet", schreibt er und diesen Satz bekomme ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf, weil er gleichzeitig so zuversichtlich und absolut zerstörerisch ist. 

Mit diesen tollen Menschen im Gepäck mache ich mich nun also auf zu einer sicherlich grandiosen Pyjama-Party und lege unterwegs noch einen Zwischenstopp bei Andreas vielgeliebtem Samstagsplausch ein. Wir lesen uns dort!

Habt ein fantastisches Wochenende - und seid nett zu Verkäufer*innen!

Mittwoch, 8. November 2017

Ohrenfutter #2: Podcasts zu Irland

Zusammen mit meinem Lieblingshörnchen habe ich im Oktober ein langes Wochenende in Dublin verbracht. Wer mir auf Instagram folgt, hat schon ein paar Bilder zu sehen bekommen - und auch mitgekriegt, dass wir aufgrund des Hurrikans Ophelia zwei Tage länger bleiben mussten (oder durften - wie man's nimmt). Bevor ich euch auch auf dem Blog Fotos zeige, will ich euch aber zeigen, mit welchen Podcasts ich mich auf die Reise vorbereitet habe. Ihr wisst ja, ohne geht bei mir gar nichts, ich brauch immer was auf die Ohren.

Der Podcast anekdotisch evident von Katrin Rönicke und Alexandra Tobor hat ebenfalls eine Irland-Folge. Darin berichten die beiden mit viel Enthusiasmus von ihrem jeweiligen Aufenthalt auf der Insel und Begegnungen mit Einheimischen. In den Kommentaren wurde ich sogar mit Reisetipps versorgt. Spätestens da war meine Reiselust ja sowas von geweckt!

Mehr für konkrete Bildung sorgte der Viva Britannia - Der Insel-Podcast. Der beschäftigte sich üblicherweise mit Großbritannien, aber in in einer Folge erklärt er auch die Grundzüge des Konflikts zwischen Irland und Nordirland. Der reicht ja sehr weit zurück und ist entsprechend verwickelt. Ein bisschen schwirrte mir nach dem Hören der Kopf, aber in Dublin habe ich dann gemerkt, dass mir diese halbe Stunde durchaus eine recht gute Grundlage geliefert hatte.

Gar nicht mal so viel, was ich vorher gehört habe, aber umso hilfreicher!

Wie bereitet ihr euch auf Reisen vor?

Samstag, 4. November 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ich starte gemütlich mit Tee und einem Untersetzer von Antje ins Wochenende.
Guten Morgen ihr Lieben!

Diese Woche beinhaltete für mich als Baden-Württembergerin zwei Feiertage. Dass der sonntägliche Sturm den Lieblingsmenschen länger in Stuttgart gehalten hat, hat die Woche auch noch ein bisschen besser gemacht. "Stürme sind gerade dein Ding, oder?", fragte eine Freundin, die auch meinen verlängerten Dublin-Urlaub im Oktober noch vor Augen hatte. Ja, Stürme scheinen mich derzeit zu verfolgen. Dieses Mal aber in sehr ruhiger und kuschliger Manier. Ich habe die Zeit unter anderem genutzt, um mich wieder einmal stundenlang durch meine Lieblingspodcasts zu hören.

Zu Ohren gekommen ist mir diese Woche unter anderem die wundervolle siebte Episode von Anekdotisch Evident übers Alleinsein und über Einsamkeit - und über den Unterschied zwischen beidem. Als Mensch, der sehr gerne allein ist, sich aber enorm ungern einsam fühlt, war das eine Wohltat!

Unter den Augen hatte ich unter anderem diesen Post bei kleinerdrei. Wenn ihr den Link anklickt, landet ihr bei einem unheimlich berührenden Text über das Ankommen in Deutschland. Außergewöhnlich fand ich Alwinas Perspektive auf das Wohneheim, in dem sie mit ihrer Familie die erste Zeit verbracht hat und wo sie viel Geborgenheit empfunden hat. Was mir in anderen Erzählungen und Berichten eher als gefürchtete Massenverwahranstalt erscheint, wird hier zu einem geliebten Zuhause  voller Freunde, das vor der furchterregenden Außenwelt schützt. Spannend!

Bei PinkStinks habe ich einen Artikel über sexualisierte Gewalt in der Werbung gelesen. Bei den Abbildungen blieb mir schon manchmal die Spucke weg. Ich meine, da passieren doch sicherlich diverse Freigabeprozesse, bevor so ein Machwerk veröffentlicht wird. Wie kann es sein, dass die Ergebnisse so aussehen wie im Artikel gezeigt? Über werbemelder.in hatte ich ja schon an einem anderen Samstag geschrieben - der verlinkte Artikel zeigt die Notwendigkeit nochmal deutlich.

Mit diesen Netzfunden setze ich mich jetzt an Andreas virtuellen Samstagsplausch-Tisch, bevor ich endlich mal wieder zum Friseur düse. Darauf freue ich mich schon seit Wochen!

Habt ein tolles Wochenende!

Dienstag, 31. Oktober 2017

Was macht die deutsche Kultur (für mich) aus?

Weinberge in der Nähe von Stuttgart. Diese Art, Wein anzubauen, vermittelt mir ein intensives Heimatgefühl.
Astrid hat sich am Tag der deutschen Einheit entschieden, der derzeit wieder vielbeschworenen "deutschen Kultur" nachzuspüren und ihre Leser*innen eingeladen, es ihr gleichzutun. Das Verlinkungstool ist nur bis heute Abend geöffnet und ich schliddere sozusagen im letzten Moment dazu. 

In einem irischen Pub vor einem großen Teller mediterraner Pasta habe ich mir Mitte des Monats Gedanken gemacht, was für mich "typisch deutsch" ist, beziehungsweise was ich besonders intensiv mit dem Land verbinde, in dem ich aufgewachsen bin.  

Grundgesetz

Was ursprünglich als vorübergehende Vorabverfassung gedacht war, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich bewährt: Ich für meinen Teil bin ein ziemlicher Fan des Grundgesetzes. Dass der erste Artikel mit den Worten "Die Würde des Menschen ist unantastbar" beginnt, feiere ich sehr. Dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau darin niedergeschrieben ist, ebenfalls - besonders wenn ich bedenke, dass die Frauen im Parlamentarischen Rat - allen voran Elisabeth Selbert - dafür heftige Kämpfe ausgefochten haben.
Besonders schätze ich an ihm, dass es wieder und wieder betont, dass die eigene Freiheit dort endet, wo die der oder des anderen beginnt - dass wir alle in unseren Handlungen stets Rücksicht auf die anderen nehmen und deren Freiheiten respektieren müssen. 
Viele weitere Gedanken zum Grundgesetz finden sich auch im Podcast "Das Grundgesetz geht alle an!" sowie im Feature "Grundgesetzland - Eine Volksbefragung in 5 Artikeln" (beide von WDR 3). (Bei letzterem ist mir der Absatz über die Meinungsfreiheit in Artikel 5 sauer aufgestoßen, aber  das Konzept der Political Correctness ist keines, zu dem ich meine Meinung in diesem Post erschöpfend darlegen kann)

Verantwortungsgefühl für den Holocaust
Ein für mich zentraler Bestandteil des Deutschseins. Nichts hat in meinem Geschichtsunterricht mehr Raum eingenommen wie die Aufarbeitung des Holocausts - und das finde ich gut und richtig so. Zu verstehen wie und wodurch Menschenhass und (nationalsozialistische) Regime entstehen und sich der Verantwortung des Einzelnen bewusst zu machen, finde ich wichtig. Das hat nichts damit zu tun, Nachgeborenen einen schweren Sack kollektiver Schuld aufzuladen. Die Ärzte haben mal gesungen "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt." Dreht man ein bisschen an den Zeitformen dieser Aussage, ist man bei dem, was ich als Verantwortungsgefühl für einen lange zurückliegenden Massenmord verstehe.

Gesundheitssystem
Was ich an Deutschland sehr schätze, ist die Tatsache, dass wir ein einigermaßen funktionierendes Gesundheitssystem haben. Ich bin nicht begeistert von den deutlichen Unterschieden zwischen Kassen- und Privatpatienten in Bezug auf Wartezeiten und Co, aber dass es grundsätzlich für alle möglich ist, einen Arzt aufzusuchen, operiert zu werden und Medikamente zu erhalten, finde ich sehr gut. Auf kultureller Ebene verstehe ich das als Absage an das "Biste selbst schuld!" und das "Musste jetzt selber mit klarkommen!", das ich angesichts von zu viel sogenannter "Eigenverantwortung" empfinde - und diese Absage ist mir sehr sympathisch.

Pünktlichkeit und Effizienz
Hier bin ich ein bisschen auf Erfahrungen einer Studienfreundin angewiesen, die teilweise in Paraguay aufgewachsen ist und gerade im Bezug auf das Verständnis von Pünktlichkeit lustige Geschichten erzählen kann, etwa über Busse, die halt "vormittags" fahren oder über Abschiedsfloskeln, die völlig unbestimmt lassen, wann der Sprechende wiederkommt.
Tatsächlich bin ich recht klischeehaft deutsch, plane grundsätzlich Pufferzeiten in meine Reiseplanungen ein und werde schon nervös, wenn ein Zug mal zwei Minuten später auftaucht als geplant. Ob das für jede Situation (und den eigenen Blutdruck!) die beste Eigenschaft ist, sei mal dahingestellt.

Erfindungsreichtum
Ich bin in Stuttgart aufgewachsen, das liebevoll auch Benztown genannt wird. Carl Benz gilt als Erfinder des Automobils mit Verbrennungsmotor, obwohl es Vorläufer gab, die weniger mediale Aufmerksamkeit erhielten (bei Wikipedia gibt es mehr darüber zu erfahren). Als Kind bin ich durch das Mercedes-Museum gestiefelt und auch sonst habe ich schon früh andere deutsche Erfindungen kennen und schätzen gelernt - allen voran den Buchdruck von Johannes Gutenberg oder auch den Computer von Konrad Zuse. Das Bedürfnis, an Ideen so lange herumzutüfteln, bis sie wirklich richtig gut funktionieren, erscheint mir dadurch sehr deutsch. (Unabhängig davon, dass beispielsweise die hohe Nobelpreisdichte bei US-Amerikanern ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass auch anderswo verdammt gute Ideen ausgebrütet werden.)

Brot
Wenn ich anderswo in der Welt unterwegs bin, ist es sehr wahrscheinlich, dass ich die deutsche Brotvielfalt vermisse. In den USA habe ich Vollkornbrot mit anständiger Kruste innerhalb von zehn Tagen derart vermisst, dass ich einmal sogar davon geträumt habe. So krass ist es natürlich bei weitem nicht überall, aber der Blick in diverse Regalmeter voller unterschiedlicher Brote, löst in mir ein intensives Gefühl von "zu Hause" aus.

Bier
Erfunden wurde es zwar vermutlich in Mesopotamien und ich habe auch in Tschechien, Österreich und anderen Ländern schon ziemlich gutes Bier getrunken, aber ein kleiner Teil meiner Wahrnehmung behauptet, dass Bier nirgendwo so gut schmeckt wie in Franken. Die Bamberger Brauereien (neun allein im Stadtgebiet!) haben aus mir endgültig eine begeisterte Biertrinkerin gemacht. Schlenkerla Rauchbier muss es nun nicht unbedingt sein, aber so ein U...? Lecker!

Ihr seht: Die wenigsten dieser Punkte sind rein deutsch und man findet sie - unter Umständen in etwas anderen Ausprägungen - auch anderswo. Aber es sind die Aspekte, die mir einfallen, wenn ich an meine Heimat denke und die ich im Ausland auch schon mit anderen diskutiert habe.

Samstag, 28. Oktober 2017

[Samstagstee] mit 12,60 €

Hallo ihr Lieben!

Eigentlich wollte ich diese Woche Irland-Fotos zeigen. Aber realistisch betrachtet habe ich etwa zehn Entwürfe für Posts gespeichert, finde aber momentan nicht die Ruhe, um diese Posts auch für euch auszuformulieren. Dabei möchte ich wenigstens an Astrids aktueller Linkparty zur deutschen Kultur teilnehmen.

Andere Leute waren diese Woche aktiver als ich. Angesichts der ersten Sitzung des neuen Bundestags hat sich meine Freundin Angela einen Weg überlegt, sich angesichts dessen Zusammensetzung nicht ganz ohnmächtig zu fühlen und hat mir erlaubt, ihren Post dazu hier mit euch zu teilen:

Wie Angela mit der Bundestagszusammensetzung umgeht.
Ich für meinen Teil habe beschlossen, mich ihr anzuschließen und meine erste Spende diese Woche an TERRE DES FEMMES aufgegeben, die sich unter anderem gegen Zwangsheirat, Frauenhandel und Genitalverstümmelung einsetzen. Ob ich wirklich jeden Monat nach dem Gießkannenprinzip für eine andere Organisation spende oder ob ich mich schlussendlich auf drei oder vier konzentriere, werden wir sehen. Ich habe ja jetzt aller Voraussicht nach 48 Monate Zeit, mir das zu überlegen. Meinetwegen darf diese Aktion dann gerne auch wieder enden.

Vielleicht habt ihr ja auch Lust, dabei zu sein? Welcher Bereich wäre euch persönlich denn am wichtigsten?

Mit diesem Beitrag springe ich nun noch bei Andreas Samstagsplausch vorbei und bin gespannt, wie ihr diese Woche erlebt habt.

Habt ein schönes Wochenende!

Samstag, 21. Oktober 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Diese Katze ist entschieden für Tee - und gegen Catcalls.
Hallo ihr Lieben,

was für eine Woche! Ich wollte mit einer guten Freundin ein langes Wochenende in Irlands schöner Hauptstadt verbringen. Nun könnte ich euch in diesem Beitrag Dutzende Fotos aus Dublin zeigen, allerdings kamen mir ein paar Stürme dazwischen: Zuerst der schlimmste Hurricane seit 50 Jahren, der die grüne Insel einfach komplett lahm legte. Und dann ein Hashtag, der seitdem zumindest meinen Facebookfeed dominiert: #metoo

Unter diesem Hashtag teilen (zumeist weibliche) Betroffene sexualisierter Gewalt ihre Erfahrungen, oftmals mit detailierten Beschreibungen. Dass die meisten meiner Facebook-Freundinnen diesen Hashtag teilten, wundert mich kein bisschen. Ich wunderte mich über die Menschen, die sich von dieser "unerwarteten" Menge nahezu überwältigt fühlten. Offenbar leben sie in einer anderen Welt als ich. Schön, wenn sie durch so eine Aktion mal einen Blick in die andere Realität werfen können. Trotzdem hatte ich gemischte Gefühle, was diese Aktion betrifft, die ich erst gar nicht in Worte fassen konnte. Zum Glück haben das dann andere getan.

Charlott von der Mädchenmannschaft fomuliert in diesem Post einige Bedenken und Fragen - nicht ohne eingangs darauf hinzuweisen, dass es natürlich großartig und wichtig sei, wenn Menschen durch diesen Hashtag Empowerment erfahren. Unter anderem stört es sie, dass bei jeder Aktion zum Thema sexualisierter Gewalt (man erinnere sich beispielsweise an Aufschrei) erstauntes Augenreiben herrscht, als habe man noch niemals davon gehört, dass dieses Problem ein weit verbreitetes ist.

Stevie von Pinkstinks weist hier insbesondere darauf hin, dass Betroffene sexualisierter Gewalt niemandem Rechenschaft schulden. Dass das Posten oder Nichtposten des Hashtags nichts darüber aussagt, ob man betroffen war oder ist. Dass es problematisch ist, wenn dieser Hashtag Menschen unter Druck setzt, sich zu outen. Dass ihr als Feministin immer wieder hochpersönliche Infos abgetrotzt werden sollen, um zu rechtfertigen, warum sie sich feministisch engagiert und warum das ein verdammt großes Problem ist. Sehr wütender Text, der weit über den Hashtag hinaus reicht und dadurch umso interessanter ist.

Gerlinde Schrön von ze.tt wünscht sich in diesem Kommentar, dass nicht nur Frauen* untereinander über die Gewalterfahrungen sprechen. Sie vermisst die direkte Auseinandersetzung mit den Männern*, die diese Gewalterfahrungen verursacht haben. Ihre persönliche Erfahrung: Viele wissen und verstehen tatsächlich nicht, was sie ihrem Gegenüber angetan haben und antun.


Zuletzt habe ich auch noch eine Petition von Campact gefunden, die sich mit der Sprache beschäftigt, die Medien im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt nutzen.  Nötigungen und Vergewaltigungen als "Sexskandal" zu bezeichnen verschleiere, dass es in diesen Fällen um Unterdrückung und Gewalt ginge - und nicht um Sex. Sich hier verantwortungsvoll auszudrücken könnte helfen, einige Mythen zu Grabe zu tragen.Während ich diese Zeilen tippe, fehlen noch ein paar Unterschriften - vielleicht wollt ihr eure hinzufügen.

Mit diesen kritischen Stimmen im Gepräck setze ich mich an Andreas Samstagsplausch-Tafel - und verspreche euch für die kommende Woche schon mal die eingangs erwähnten Bilder von der grünen Insel!

Habt alle ein wunderschönes Wochenende!

Samstag, 14. Oktober 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Guten Morgen! Mit diesem Archivbild einer meiner Lieblingstassen setze ich mich zu euch.
Guten Morgen ihr Lieben!

Nach einer Woche Pause vom Samstagsplausch bei Andrea bin ich heute wieder mit dabei. Einer der Gründe, warum ich momentan im Blog so schweigsam bin, ist der, dass der Stitchtober mich ziemlich im Griff hatte. Ich hatte euch ja erzählt, dass mir eine Stickerei am Tag zu viel sei, aber vielleicht eine große Stickerei, die mich durch den Monat begleitet, etwas sein könnte...? Nun, ich habe diese Stickerei innerhalb von zehn Tagen durchgerockt. Auf Instagram gibt es Work-in-progress-Fotos zu sehen, hier im Blog mag ich sie noch nicht zeigen, weil die Stickerei Teil eines Geburtstagsgeschenkes sein wird. Jetzt überlege ich, ob ich mir für die zweite Hälfte des Oktobers noch eine zweite Stickerei suche. Mal sehen!

Abgesehen vom Sticken habe ich natürlich auch wieder ein bisschen im Internet herumgeguckt und dabei drei tolle, feministische Links für euch ausgegraben.

"Girls, you can do anything!", twitterte die UN sicherlich wohlmeinend zum Weltmädchentag am Mittwoch. Birte Vogel vom Blog thea fand das fürchterlich - weil es nicht stimmt. In ihrem langen, sehr langen Post hat sie diverse Beispiele aufgeführt, wo und auf welche Weise Mädchen nach wie vor dabei auf- und davon abgehalten werden, "anything" zu tun. Lesenswert finde ich auch den Kommentar von Sophia Horster darunter, der noch einmal sehr deutliche Worte dafür findet, warum ein solcher Satz problematisch ist:
[...] Dazu ist es aber auch eine explizite Botschaft an die Mädchen, dass es allein ihre Schuld ist, wenn sie nicht „alles machen“. Denn sie haben es entweder nicht ausreichend gewollt oder nicht ausreichend gekonnt. [...]

Edition F hat eine hier Liste von sechs feministischen Illustratorinnen zusammengestellt, die ihre Kunst auf Instagram zeigen. Mir waren einerseits noch nicht alle bekannt, andererseits fehlen mir wiederum ein paar, aber es lohnt sich total, sich da mal durchzuklicken.

Caroline Rosales hat auf Zeit Online eine Kolumne über den Feminismus geschrieben, der in stilvoller Kleidung stecken kann. Ich schreibe bewusst "kann", weil ich das definitiv nicht für einen Automatismus halte. Sich an Kleidungsregeln wie "Steck die Hände nicht in Manteltaschen, die beulen sonst aus!" wird vermutlich ebensoviele Menschen einschränken, wie die Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit durch eben jenen unausgebeulten Mantel auszudrücken, andere beglückt. Mein Weg ist es sicher nicht, aber umso schöner fand ich es, diese Option in wohlgesetzte Worte gekleidet zu finden.

Zuguterletzt hab ich noch was zum Aktivwerden für euch: Die Werbemelder*in, eine Meldestelle für sexistische Werbung, ist online. Wie es funktioniert, wird hier auf Pinkstinks erklärt. Ich bin gespannt, was für Früchte dieses Projekt trägt und freue mich, dass ich in Zukunft nicht mehr nur wütend vor einem Plakat stehen, sondern konkret was damit tun kann.

Habt ein wundervolles Wochenende!

Samstag, 30. September 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Zeit für Frühstück! Heute sogar mit selbstgemachter Pflaumenmarmelade. Mit Walnuss und Kardamom. Mhmm!
Hallo ihr Lieben!

Nun ist die Bundestagswahl schon fast eine Woche her und so langsam habe ich mich wieder beruhigt. Nicht im Sinne des dumpfen "Ach, was soll man schon tun"-Sumpfs, sondern im Sinne des "Okay, da muss man jetzt was machen."


WAS MACHEN ist auch der Titel eines "Newsletter[s] mit Ideen und Tipps für dein politisches und gesellschaftliches Engagement", der Mitte des Jahres gestartet wurde und den ich aboniert habe. Die Themen sind dabei vielfältig: von Blutspenden über Lektüretipps, Verstellung diverser Initiativen sind nur ein paar davon. In der aktuellen Ausgabe kurz vor der Wahl haben die Macher_innen unter anderem  erklärt, welche verschiedenen Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung es gibt. Daneben schlugen sie auch vor, Journalismus finanziell zu unterstützen - weil unabhängig finanzierte Medien eine der Möglichkeiten sind, Personen in Machtpositionen zu kontrollieren und Entscheidungen öffentlich zu hinterfragen.

Die Mädchenmannschaft hat in diesem Post ebenfalls vorgeschlagen, sich mit Spenden zu engagieren - feministischer/linker/emanzipatorischer Journalismus ist dabei aber nur einer der Zielvorschläge, auch Organisationen rund um Flucht und Asyl, Bildungsarbeit, Verfolgung von Polizeigewalt und einiges mehr werden genannt. Vielleicht findet ihr da ja auch etwas?
Spenden mag zwar weniger sichtbar sein als beispielsweise demonstrieren, hilft aber den Organisationen zumindest dabei, ihre Arbeit (gut) machen zu können. Das ist doch schon einiges wert.

Und weil es wichtig ist, sich im Leben auch Rückzugsräume zu schaffen, in denen man Kraft sammeln kann, hab ich mich sehr gefreut, auf  den #stitchtober als Variante zum #inktober zu stoßen. Die Idee des Inktobers ist es, an jedem einzelnen Oktobertag eine Tintenzeichnung anzufertigen - entsprechend geht es beim Stitchtober um eine Stickerei pro Tag. Ich habe den Eindruck, dass der Stitchtober noch keine große Verbreitung gefunden hat, aber das muss einen ja von nichts abhalten. Auf welche Weise ich das für mich umsetzen könnte, überlege ich noch. Vielleicht gibt es auch was Größeres, an dem ich aber jeden Tag ein bisschen arbeite?

Während ich darüber nachdenke, lasse ich mich auch noch an Andreas Plauschtafel nieder und schaue, was ihr so die Woche über getrieben habt.

Habt ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 28. September 2017

GRL PWR

Ich hab euch schon lange kein Revoluzzzionäres Monsterchen gezeigt, ne? Deswegen ist hier ein neues.

Frau Jule hat am Tag nach der Bundestagswahl geschrieben, dass dies "keine Zeiten [sind], in denen man ruhig in der Wohnung rumwerkeln und dem Frauenbild der Braunen nahe kommen sollte". Mehr denn je habe ich das Bedürfnis, mit meiner Teilnahme bei Jules monatlicher Linkparty Politisiert euch zu zeigen, dass Handarbeit keine unpolitische Biedermeierlichkeit sein muss. Und so bin ich im September mal wieder dabei und zeige euch das neueste revoluzzzionäre Monsterchen aus dieser wachsenden Familie.

Warum das Monsterchen "GRL PWR" auf seinem Rücken trägt?
Weil Jungs in ihrem Handeln und ihrer Abenteuerlust viel eher gefördert werden als Mädchen, denen weniger zugetraut wird.  

Weil Mädchen immer noch dazu erzogen werden, hübsch und brav zu sein, statt für sich und andere einzutreten. Weil Mädchen sich in Studien davon überzeugt zeigen, dass Jungs klüger wären als sie.
Weil Mädchen und Frauen gerne mal als das "schwache Geschlecht bezeichnet werden - wobei aber fröhlich ignoriert wird, dass Care-Arbeit (also "weibliche" Arbeit) körperlich anstrengend sein kann. 
Weil Frauen abgesprochen wird, Machtpositionen im Allgemeinen ausfüllen zu können, weil sie ihre ach so heftigen Emotionen nicht kontrollieren könnten (während man gleichzeitig gezeigte Emotionen bei Jungs so sanktioniert, dass sie gar nicht lernen können, damit umzugehen). 
Weil am Sonntag eine Partei in den Bundestag eingezogen ist, die Frauen am liebsten bei Kindern und Küche wüsste.
Weil es deshalb nicht schaden kann, sich regelmäßig in Erinnerung zu rufen, wie viel Stärke in einem steckt, was man in der Vergangenheit schon geschafft hat und was man daraus für die Zukunft mitgenommen hat.
GRL PWR - pink und blumig für dieses Monsterchen.

Die Inspiration für diesen entzückenden Rücken dürfte von fembroidery stammen, deren Stickerei ich unheimlich liebe. Falls ihr sie noch nicht kennt, solltet ihr unbedingt bei ihr vorbeischauen. 
Die Buchstaben habe ich größtenteils mit einem Spaltstich gestickt, das gefällt mir für Schrift besser als der einfache Rückstich (damit hatte ich das L gemacht).


Dieses kleine Monster nach einen kostenlosen Tutorial von Revoluzzza ging im Rahmen von #freudeschenken 2017 auf die Reise und hat an deren Ziel eine Person überrascht, die lustigerweise ein bei Instagram gepostetes WIP-Bild geherzt hatte. 



Montag, 25. September 2017

Wir sind 87 Prozent.

Mein Deutschland ist bunt. Und ich möchte, dass das so bleibt!
87 Prozent der deutschen Wahlberechtigten haben bei der Bundestagswahl nicht die AfD gewählt. Ich las heute, man solle das positiv sehen. Es sei doch eine Mehrheit, eine große sogar.

Aber sich an diesem Montag auf rosarote Mehrheitswattebäuschchen zu blicken, heißt auch, nicht in die andere Richtung zu schauen, wo die 13 Prozent der Wähler*innen stehen, die eben doch die AfD gewählt hat. Eine Partei, deren Spitzenkandidat direkt nach Verkündung der ersten Ergebnisse davon sprach, die künftige Regierung zu "jagen". Eine Partei, die eine rückwärtsgewandte Familien- und Geschlechterpolitik vertritt. Eine Partei, die offen rassistische Ressentiments bedient.

Ob ich die Wähler dieser Partei alle für Sexist*innen und Rassist*innen halte? Ich halte sie vor allem für Menschen, denen es nichts ausmacht, Sexist*innen und Rassist*innen dulden und unterstützen. Für Menschen, denen es egal ist, wenn andere unter deren Ansichten und Handlungen zu leiden haben. Und das finde ich verdammt beängstigend - ganz unabhängig vom konkreten Label.


Wir sind 87 Prozent. Aber das ist nur dann etwas wert, wenn wir diese große Mehrheit auch einsetzen. Wenn wir unsere Demokratie und unseren Pluralismus nicht mehr für selbstverständlich halten. Wenn wir nicht mehr so tun, als wäre Politik irgendetwas, was "die da oben" unter sich ausmachen und was uns eigentlich gar nicht betrifft. Wir müssen die nächsten vier Jahre etwas tun - für unsere Demokratie. Für mehr Mitgefühl. Für ein Deutschland, in dem man auch dann gut und gerne leben kann, wenn man aus irgendeinem Grund anders ist als die anderen.

Samstag, 23. September 2017

[Samstagskaffee] zur Bundestagswahl

Ein weiterer Frühstückskaffee im Café Tasso in Berlin.
 Guten Morgen ihr Lieben!

Eine tolle Woche in Berlin geht für mich zu Ende. Ich habe hier meine liebsten Buchhandlungen besucht, Freunde getroffen, Museen durchwandert und innerhalb der ersten drei Tage einen Berlin-Fan aus meiner Mama gemacht. War das schön!

Nebenher habe ich ganz viel auf Wahlplakate gestarrt und mit viel innerer Unruhe der morgigen Bundestagswahl entgegen geschaut. Zum ersten Mal seit 1961 werden wir aller Voraussicht nach wieder Nationalisten im Parlament sitzen haben (Quelle für Bundestagszusammensetzungen). Ich persönlich finde das fürchterlich. Aber ich hoffe, dass diese Aussichten morgen viele Menschen motivieren, ein Kreuzchen zu machen.

Denn dass gerade die selbsternannte Alternative sehr gut darin ist, ihre Anhänger*innen zu mobilisieren - und es ist verheerend, wenn alle anderen zu Hause bleiben. Natürlich macht eine Stimme von Millionen keinen großen Unterschied. Aber viele einzelne Stimmen tun das. Und an dem Punkt wird es statistisch relevant: 3 von 6 sind 50 Prozent, aber 3 von 10 sind nur noch 30 Prozent. Ihr seht, worauf ich hinauswill. 

Grafik von Between Bridges- dieses und andere Plakate dürfen und sollen unter
dem Link heruntergeladen und großflächig verteilt werden.
Ich habe ja glücklicherweise schon vor Wochen meine Briefwahlunterlagen in einen Briefkasten geschoben und bin damit die Frage los, was ich wähle. Denn auch mir ist das dieses Mal gar nicht so leicht gefallen - und ich weiß, dass das vielen meiner Freund*innen ganz ähnlich geht.

Für diejenigen von euch, die keine große Lust auf eine neuerliche große Koalition haben, ist vielleicht dieser Artikel von den Krautreportern etwas. Er zeigt die verschiedenen Möglichkeiten auf, gegen das "Weiter so!" zu stimmen. (Spoiler: Nicht wählen ist keine Lösung.)

Wer noch ein bisschen zusätzlichen Input zu den konkreten Absichten der einzelnen Parteien haben möchte, kann im Innensansicht-Magazin nachschauen, wo mittlerweile die Parteiprogramme von SPD, FDP, Linke, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und die AfD unter die Lupe genommen wurden.

Nun packe ich meine Tasche, um zum ersten Mal überhaupt zu einem Roller Derby-Bout zu gehen. Wuhu! Vorher hüpfe ich aber noch bei Andrea vorbei und finde heraus, wie eure Wochen so waren.

Habt ein tolles Wahl-Wochenende!

Samstag, 16. September 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Prost! Ich starte mit Tee ins Wochenende - und den Urlaub.

Hallo ihr Lieben!

Einmal mehr schliddere ich nur kurz bei Andreas Samstagsplausch vorbei - anders seid ihr das von mir ja ohnehin nicht gewohnt, nicht wahr? Diese Woche geht es nach Berlin. Allerdings bin ich dieses Mal nicht allein, sondern mit meiner Mama unterwegs, die noch nie in der Hauptstadt war und vor dem ersten Flug ihres Lebens ganz schön aufgeregt ist. Drückt ihr mir bitte alle die Daumen, dass es gut geht? (Flugaufälle aufgrund von Streik sind zu befürchten.)
Trotz aller Aufregung: Die Vorfreude ist noch größer. Umso mehr, weil mittlerweile offiziell ist: Ich ziehe im Winter in die Hauptstadt! Wie und wo genau es dort für mich weitergeht, ist noch nicht klar, aber seit ich das sicher weiß, komme ich mit einem ganz anderen Gefühl in der großen Stadt an. Das ist mein zukünftiges Zuhause, nicht mehr nur Ort viel zu kurzer Stippvisiten beim Lieblingsmenschen. Obwohl es noch ein paar Monate bis dahin sind, bin ich jetzt schon ganz schön aufgeregt - Job- und Wohnungssuche sind in vollem Gang und das ist ja immer eine stressige Sache.

Der Ablenkung wegen habe ich auch diese Woche wieder im Netz herumgestöbert und dabei erneut einiges an feministischen Netzfunden zu Tage gefödert:

Bei Zeit Online fand sich diese Woche ein spannender Artikel über Gender Studies und deren Zusammenhang mit dem Feminismus. Inklusive folgender Definition:
Feminismus bedeutet, dass Frauen sich und ihren Anliegen Gehör verschaffen.
Gender-Studies können bei solchem feministischen Engagement helfen, und sie tun das auch oft. Aber weder können sie den Feminismus ersetzen, noch sind sie ihm verpflichtet. Feminismus ist keine Wissenschaft. Es ist eine politische Bewegung. 
Margarete Stockowski setzte sich am Dienstag in ihrer Kolumne auf Spiegel Online mit dem Gender Pay Gap auseinander - und mit den fünf häufigsten Mythen, die in diesem Zusammenhang immer wieder bemüht werden. Bester Satz: "[..] man kennt das Statistische Bundesamt nicht unbedingt als feministische Guerillagruppe." Die Sätze außenrum sind aber noch viel gehaltvoller - und könnten in der einen oder anderen Diskussion auch gut weiterhelfen. Lesen lohnt sich also.

Das innenAnsicht-Magazin hat zwei Artikel zum Thema Schwangerschaftsabbruch: einmal in Deutschland und einmal in Kroatien. Beides sehr spannend - und erschreckend, wie stark der Widerstand gegen die Selbstbestimmung über den eigenen Körper nach wie vor ist.

Ebenfalls beim innenAnsicht-Magazin gibt es einen Blick ins Wahlprogramm der AfD unter frauen*politischen Gesichtspunkten.  Ich gehe ja nicht davon aus, dass hier Personen mitlesen, die erwägen, die AfD zu wählen. Falls doch: In dem Tab findet ihr rechts so ein Kreuz. Einmal klicken, bitte, danke. Den Verbleibenden sei gesagt: Der Blick ins Programm dieser angeblichen Alternative ist besonders dann zu empfehlen, wenn ihr noch nicht wisst, ob ihr überhaupt wählen gehen werdet. Dürfte euch motivieren. Denn jedes Kreuz, das ihr irgendwo anders auf dem Zettel macht, reduziert den relativen Anteil der rechten Stimmen.

Zuletzt hat auch der von mir vielgeliebte Lila Podcast eine Episode zur Bundestagswahl gemacht, in der sie einen etwas weiteren Blick in die deutsche Parteienlandschaft werfen.

Wenn euch das noch nicht weiterhilft, möchte ich euch nochmal ans Herz legen, euch die verschiedenen Tools anzuschauen, die euch dabei unterstützen können, die Parteien auf bestimmte Punkte hin abzuklopfen: der altbekannte Wahl-O-Mat, der Sozial-O-Mat für Fragen der Sozialpolitik und deinwal.de für den Überblick über Parteien-Positionierung in den Bundestagsabstimmungen der letzten Legislaturperiode.

Habt alle ein zauberhaftes Wochenende - ganz egal, wo ihr seid!

Samstag, 9. September 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Guten Morgen! Lasst uns zusammen eine Tasse Tee trinken.

Hallo ihr Lieben,

hui, ging die Woche schnell vorbei! Angefangen mit einem ziemlich coolen Bierbraukurs in München (wenn ihr mögt, erzähle ich euch in den nächsten Tagen ein bisschen mehr dazu?) am vergangenen Wochenende, habe ich einige Abende mit lieben Menschen verbracht - und während ihr das hier lest, bin ich auch schon wieder auf Achse und sause zur nächsten Freundin, um dort einen Abend im privaten Pub zu verbringen.
Vorher lasse ich mich aber an Andreas Plauschtafel nieder und schaue nach, wie es euch in dieser Woche so ergangen ist. 

Aber vorher zeige ich euch noch, was ich trotz aller Aktivitäten außer Haus in dieser Woche im Netz so gefunden habe:

"Das Zeigen der Vulva rettet die Menschheit." So ist das nämlich.

Unheimlich gefeiert habe ich auf der Fahrt von und nach München die neueste Episode des Lila Podcasts. Darin geht es um die Vulva, also den äußerlich sichtbaren Bereich der Genitalien. Womit wir an einem der Knackpunkte wären, die auch im Podcast angesprochen werden: Ich war wieder einmal versucht, von "weiblichen" Genitalien zu schreiben. Was aber halt nicht unbedingt zutrifft: Es gibt Menschen, die weder weiblich noch männlich sind. Es gibt Menschen, die sich männlich identifizieren, aber eine Vulva haben - genauso wie es Frauen mit Penissen gibt. Mithu Sanyal, über deren Buch zur Vulva es im Podcast geht, hat angemerkt, wie gerne sie von der Geschlechterdichotomie weggekommen wäre, aber wie schwer es ihr gefallen sei, wie sehr ihr alternative Worte gefehlt hätten, um auszudrücken, was sie eigentlich meinte.

Mithu Sanyal erwähnt im Podcast, dass sie beim erstmaligen Anblick ihrer Vulva unsicher war, ob diese eigentlich ansehnlich sei oder eher gar nicht. Da musste ich spontan an einen meiner liebsten Instagram-Accounts denken:  The Vulva Gallery macht die unterschiedlichen Ausprägungen sichtbar, die Vulven so haben können. Sichtbare innere Schamlippen? Narben? Haare? Pigmentflecken? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und es gibt deswegen erst recht nichts, was nicht okay wäre, genau so wie es ist. So ein liebevoller und versöhnlicher Blick - mir tut schon allein die Existenz dieses Accounts gut.

Ergänzend zur Episode des Lila Podcasts sei hier noch einmal diese  kleinercast-Episode erwähnt.
Während ich den Lila Podcast angehört habe, musste ich auch wieder an diese Episode des kleinercast denken, in dem es unter anderem darum geht, warum es so wichtig ist, dass Kinder die richtigen Begriffe für Genitalien lernen. 

Dieser Artikel hat mich unheimlich traurig gemacht. Dass bereits im Alter von sechs oder sieben Jahren kleine Mädchen davon überzeugt sind Mädchen und Frauen seien per se weniger schlau oder gar brillant als Jungs und Männer, ist ein verdammt großes Armutszeugnis.

Habt ein wunderschönes Wochenende!

Montag, 4. September 2017

[3 of a kind] I want to do someday

Im September will Sas drei Dinge von uns erfahren, die wir eines Tages tun wollen. Die Frage war gar nicht so schwer, denn in meinem Notizbuch steht eine wohlgefüllte Bucket-List mit den unterschiedlichsten Zielen. Mich auf drei konkrete Punkte zu beschränken, ist mir da viel schwerer gefallen...

Schloss Turaida, umgeben von nebelvergangenen Wäldern. 
Roadtrip durchs Baltikum. Seit ich 2014 auf einer Busreise mit Erasmus-Studierenden in dieser Gegend unterwegs war, zieht es mich dorthin zurück. Tallinn ist mir als verwinkelte Märchenstadt im Gedächtnis geblieben, doch am schönsten fand ich es in Lettland. Das Schloss Turaida mit deinem Park hat mich besonders beeindruckt. Zum Schloss gehört nämlich ein Park, in dem ein Künstler während der Sowjetzeit Skulpturen zu Volkssagen verteilt hat - ohne Titel, um sie vor Zensur zu schützen. Leider war damals viel zu wenig Zeit, sie mir genauer anzuschauen...

Intensive Beschäftigung mit Fan Studies. Im selben Jahr habe ich auch angefangen, mich in das weite, wunderbare Feld der Fan Studies einzulesen. Wie wundervoll muss es sein, zu einem so grandiosen Thema zu forschen? Ein tolles Semester lang habe ich Hausarbeiten über Harry Potter und Game of Thrones verfasst... Leider habe ich es aber versäumt, mir die Buchtitel rauszuschreiben, denn es würde mich sehr in den Fingern jucken, mich da wieder einzugraben.

LARP ausprobieren. Falls ihr es nicht kennt: LARP steht für Live Action Role Play. Das heißt, Leute verkleiden sich und spielen einen Charakter in einer großen Geschichte. Viele meiner Freunde larpen, aber irgendwie habe ich es bisher noch nie geschafft, mich einfach zu überwinden und mitzumachen. Wenn ich ihnen dabei zuschaue, wie sie in monatelanger Arbeit Kleidung nähen und verzieren, sich Hintergrundgeschichten ausdenken und mit leuchtenden Augen irgendwelche LARP-Anekdoten erzählen, bin ich ein bisschen neidisch.

Sas' Sammlung ist den ganzen Monat geöffnet. Vielleicht fallen euch ja auch drei Dinge ein, die ihr irgendwann einmal tun wollt? Ich bin gespannt!

Samstag, 2. September 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ehrlich gesagt: Das ist Kakao vom vergangenen Sonntag. In meinem herzallerliebsten Café Tasso in Berlin.
Hallo ihr Lieben!

Viel zu lange schon habe ich nicht mehr an Andreas Plauschtafel Platz genommen, aber heute ist es endlich mal wieder so weit. Allerdings muss ich gestehen, dass ich diesen Beitrag vorbereite und es erst im Laufe des Wochenendes schaffen werde, bei euch vorbeizuschauen. Ich bin nämlich schon wieder unterwegs! Nach mehreren Wochenenden auf Festivals oder beim Lieblingsmenschen in Berlin, gönne ich mir nicht etwa eine Ruhepause, sondern sause zur Besten nach München. Dort will ich heute lernen, wie man Bier braut. Ich bin ganz schön gespannt...

Als ich Sonntagnacht verspätet aus Berlin zurückkam, warteten meine Briefwahlunterlagen auf mich. Mittlerweile habe ich die Zettel sogar schon ganz strebsam ausgefüllt und zur Post getragen. Einfach fand ich das dieses Mal überhaupt nicht. Aber in den Weiten des Internets gibt es natürlich hilfreiche unterstützende Tools. Der Wahl-O-Mat ist ja hinreichend bekannt, nehme ich an. Anhand 38 Thesen, die sowohl insgesamt 32 Parteien als man selbst beantwortet, wird die Übereinstimmung mit eben jenen Parteien erreichnet. Neu war mir DeinWal.de. Dieses Tool ist nicht nur putzig illustriert, sondern auch reichlich aufschlussreich. Anhand diverser Fragen zu verschiedenen Politikfeldern errechnet sich am Ende die eigene Überschneidung mit verschiedenen Parteien. Der Clou daran: Anders als beim Wahl-O-Mat werden dafür keine hypothetischen Stellungnahmen von Parteien herangezogen, sondern die konkreten Entscheidungen in Abstimmungen der vergangenen Legislaturperiode. Das empfinde ich persönlich als "zuverlässiger". Wer allerdings seine Stimme lieber einer ganz kleinen Partei geben möchte, zieht hier natürlich keine Erkenntnisse draus und ist beim Wahl-O-Mat besser aufgehoben. Fun-Fact: Die Ergebnisse beider Tools waren bei mir sehr vergleichbar. Und obwohl sie mir keine Entscheidung abnehmen können, fand ich sie dennoch ziemlich hilfreich.

Lesenswert fand ich dieses Interview des ZEIT Magazins mit der Soziologin Jutta Allmendinger. Ihre These: Der Arbeitsmarkt ist auf die Bedürfnisse von Frauen und ganz besonders Müttern so schlecht ausgerichtet, dass für viele bis heute der Rückzug daraus verlockender ist. Und das, obwohl Berufstätigkeit für Männer wie Frauen identitätsstiftend ist.

Habt ein traumhaftes Wochenende!

Dienstag, 29. August 2017

10 Fakten über mich und Festivals

Strahlend blauer Himmel auf dem Summerbreeze 2017
Im August sammelt Astrid unsere persönlichen Fakten über Musik. Inspiriert von einem Post der wunderbaren Frau Jule mache ich daraus zehn Festivalfakten über mich.

Insgesamt habe ich in meinem Leben bisher sieben Mehrtages-Festivals besucht, nämlich 4x Summer Breeze, 1x Ragnarock, 1x Prophecy Fest, 1x Hammer of Doom. Bisher also nicht so wahnsinnig viele und auch nur deutsche Festivals. Wenn es nach mir geht, darf sich das gerne auch noch ändern. Abhängig ist das eigentlich nur vom Line-Up.

Wenn ich nämlich auf ein Festival fahre, dann in erster Linie wegen der Bands. Am liebsten verbringe ich einen Großteil der Zeit vor irgendeiner Bühne, halte Teufelshörner in die Luft oder gröhle mit. Wenn es sein muss, auch bis nachts um halb vier. Zeltplatztourismus mit ewigem Rumhängen am Zelt und ziellosem Trinken machen mich zappelig und unzufrieden.

Summer Breeze 2017: Amon Amarth

Drei von vier Summerbreezes habe ich mit meiner besten Freundin verbracht, die eine ganz großartige Begleitung ist. Stets gut gelaunt, ziemlich passender Musikgeschmack, eine Göttin am Campingkocher. Außerdem besitzt sie im Gegensatz zu mir Zelt und Pavillon!

Überhaupt: Begleitung. Im Gegensatz zu Jule würde ich nie allein auf den Festival fahren wollen. Neben meiner habe ich noch ein weiteres Grüppchen an Menschen, die sich als tolle Festivalbegleitung herausgestellt haben. Egal in welcher Gruppe ich unterwegs bin, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich am Ende des Festivals noch mehr Menschen kenne.

Besonders zu nennen sind da Zeltplatzfreundschaften. Diese Leute, die man kennen lernt, weil man sich an der Wasserstelle den Kanister über den Kopf geleert hat, um der akuten Hitze Herr zu werden und dann über Verdunstungskälte plaudert. Menschen, die einem morgens eine Pfanne mit Rührei in den Pavillon bringen, weil sie schon satt sind und wir hungrig aussahen. Campingnachbarn schließe ich inniglich in mein Herz und leide dann auf der Heimfahrt unter fiesem Herzschmerz, weil man sich vermutlich nie wieder begegnen wird.

Da sitzt man so, guckt man in den Himmel und alle Probleme sind ganz weit weg.
Nun gibt es natürlich auch Kurzzeitnachbarn, die ich nicht ganz so schätze, weil sie nächtelang grauenhaften Deutschrap hören und Dünnschiss labern. Aber auch mit denen habe ich schon freundliche Momente geteilt, in denen riesige Gummibärchentüten herumgereicht wurden, ein Pavillon gegen den nahenden Sturm mit zusätzlichen fremden Heringen und Panzertape gesichert wurde oder stundenlange Uno-Partien ausgefochten wurden.

Am schönsten fand ich das Zelten bislang auf dem Ragnarock 2015, weil ich da als Crew-Mitglied im VIP-Bereich nächtigen durfte. Sprich: Extrem kurze Wege zur Bühne, nur tolle Nachbarn und Zugang zu einer echten Dusche.

Gesichtskirmes unterm Pavillon und ausnahmsweise tolle Funde auf dem Dixieklo.
Dass ich mit den sanitären Zuständen auf den üblichen Zeltplätzen nämlich nur so semi klarkomme, habe ich auf der diesjährigen Rückreise vom Breeze daran bemerkt, dass ich die Handseife auf der Zugtoilette (!) als bedeutsames Zeichen von Zivilisation gepriesen habe. Die meisten Menschen finden Zugtoiletten ja eher grausam.

Die sanitären Zustände sind – zusammen mit dem Schlaf auf richtigen Matratzen einer der Gründe, warum ich zunehmend kleine Festivals für mich entdecke, für die ich im Umfeld eine Ferienwohnung anmiete. Abends nicht in ein klammes Zelt kriechen zu müssen, sondern auf einer Couch vor dem Kamin herumzulungern, hat schon was für sich. (Ist nur vielleicht nicht ganz so true wie schlammverschmierte Leiber.)


Sobald ich dann eine Nacht in einem richtigen Bett geschlafen habe, steigt bei mir die Vorfreude aufs nächste Mal.

Früher hab ich Festivalbändchen noch monatelang getragen, jetzt schneide ich sie ziemlich schnell ab. Die Dinger jucken wie Sau! Außerdem bleiben sie schöner, wenn man sie irgendwo aufnäht. (Wo genau ich sie aber aufnähen werde, weiß ich noch nicht so genau.)

Was macht ihr mit alten Festivalbändchen? Oder seid besucht ihr höchstens mal Einzelkonzerte? Erzählt mal!

Mittwoch, 9. August 2017

Juli - es war regenbogenbunt!

Auf Mondkunst rekapitulieren Hana und Nria jeden Monat, was sie so getan haben. Nachdem der Juni ausgefallen ist, folge ich für den Juli rückblickend ihrem Beispiel.

Für mich selbst gewerkelt im Juli:
Im Rahmen der CSD-Linkparade habe ich mir ein regenbogenbuntes Hexagonkissen genäht. Dieses hat auch tatsächlich den größten Teil meiner Werkelzeit gebunden. Hat Spaß gemacht!

Fluff präsentiert Regenbögen.

Für andere gewerkelt im Juli:
Daneben sind Kleinigkeiten entstanden, die ich hier aber noch nicht gezeigt habe. Vermutlich begegnen euch beide noch in Frau Jules Reihe "Politisiert euch!". Aber vorher muss ich sie noch vor die Kamera bekommen...

Angefangene Projekte:
Nichts, was momentan unvollendet herumliegen würde.

Gescheiterte Projekte:
Nö.

Neue Schnittmuster, Anleitungshefte und Bücher:
Im Schnittmuster- und Anleitungsbereich habe ich nichts neues gekauft. Allerdings ist "Craftista! Handarbeit als Aktivismus" in meinem Bücherregal gelandet, nachdem ich diesen Artikel im innenAnsicht-Magazin gelesen hatte.

Stoff gekauft:
Für das Regenbogenkissen habe ich ordentlich eingekauft - den gab mein Stoffschrank nämlich nicht her. 1,61 m² sind neu hineingewandert.

Stoff vernäht:
Leider hab ich nicht ganz so viel verarbeitet wie gekauft. 1,37m² sind direkt wieder verschwunden. Wir merken: Mein Stoffschrank beinhaltet noch Material für mehr Regenbögen!

Material verarbeitet:
Außer Stoff ist nichts weiter passiert.

Pläne für den August:
Konkrete Pläne habe ich nicht - dafür bin ich im August zu viel unterwegs.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Werkelpläne für den August?