Samstag, 14. Oktober 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Guten Morgen! Mit diesem Archivbild einer meiner Lieblingstassen setze ich mich zu euch.
Guten Morgen ihr Lieben!

Nach einer Woche Pause vom Samstagsplausch bei Andrea bin ich heute wieder mit dabei. Einer der Gründe, warum ich momentan im Blog so schweigsam bin, ist der, dass der Stitchtober mich ziemlich im Griff hatte. Ich hatte euch ja erzählt, dass mir eine Stickerei am Tag zu viel sei, aber vielleicht eine große Stickerei, die mich durch den Monat begleitet, etwas sein könnte...? Nun, ich habe diese Stickerei innerhalb von zehn Tagen durchgerockt. Auf Instagram gibt es Work-in-progress-Fotos zu sehen, hier im Blog mag ich sie noch nicht zeigen, weil die Stickerei Teil eines Geburtstagsgeschenkes sein wird. Jetzt überlege ich, ob ich mir für die zweite Hälfte des Oktobers noch eine zweite Stickerei suche. Mal sehen!

Abgesehen vom Sticken habe ich natürlich auch wieder ein bisschen im Internet herumgeguckt und dabei drei tolle, feministische Links für euch ausgegraben.

"Girls, you can do anything!", twitterte die UN sicherlich wohlmeinend zum Weltmädchentag am Mittwoch. Birte Vogel vom Blog thea fand das fürchterlich - weil es nicht stimmt. In ihrem langen, sehr langen Post hat sie diverse Beispiele aufgeführt, wo und auf welche Weise Mädchen nach wie vor dabei auf- und davon abgehalten werden, "anything" zu tun. Lesenswert finde ich auch den Kommentar von Sophia Horster darunter, der noch einmal sehr deutliche Worte dafür findet, warum ein solcher Satz problematisch ist:
[...] Dazu ist es aber auch eine explizite Botschaft an die Mädchen, dass es allein ihre Schuld ist, wenn sie nicht „alles machen“. Denn sie haben es entweder nicht ausreichend gewollt oder nicht ausreichend gekonnt. [...]

Edition F hat eine hier Liste von sechs feministischen Illustratorinnen zusammengestellt, die ihre Kunst auf Instagram zeigen. Mir waren einerseits noch nicht alle bekannt, andererseits fehlen mir wiederum ein paar, aber es lohnt sich total, sich da mal durchzuklicken.

Caroline Rosales hat auf Zeit Online eine Kolumne über den Feminismus geschrieben, der in stilvoller Kleidung stecken kann. Ich schreibe bewusst "kann", weil ich das definitiv nicht für einen Automatismus halte. Sich an Kleidungsregeln wie "Steck die Hände nicht in Manteltaschen, die beulen sonst aus!" wird vermutlich ebensoviele Menschen einschränken, wie die Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit durch eben jenen unausgebeulten Mantel auszudrücken, andere beglückt. Mein Weg ist es sicher nicht, aber umso schöner fand ich es, diese Option in wohlgesetzte Worte gekleidet zu finden.

Zuguterletzt hab ich noch was zum Aktivwerden für euch: Die Werbemelder*in, eine Meldestelle für sexistische Werbung, ist online. Wie es funktioniert, wird hier auf Pinkstinks erklärt. Ich bin gespannt, was für Früchte dieses Projekt trägt und freue mich, dass ich in Zukunft nicht mehr nur wütend vor einem Plakat stehen, sondern konkret was damit tun kann.

Habt ein wundervolles Wochenende!

Samstag, 30. September 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Zeit für Frühstück! Heute sogar mit selbstgemachter Pflaumenmarmelade. Mit Walnuss und Kardamom. Mhmm!
Hallo ihr Lieben!

Nun ist die Bundestagswahl schon fast eine Woche her und so langsam habe ich mich wieder beruhigt. Nicht im Sinne des dumpfen "Ach, was soll man schon tun"-Sumpfs, sondern im Sinne des "Okay, da muss man jetzt was machen."


WAS MACHEN ist auch der Titel eines "Newsletter[s] mit Ideen und Tipps für dein politisches und gesellschaftliches Engagement", der Mitte des Jahres gestartet wurde und den ich aboniert habe. Die Themen sind dabei vielfältig: von Blutspenden über Lektüretipps, Verstellung diverser Initiativen sind nur ein paar davon. In der aktuellen Ausgabe kurz vor der Wahl haben die Macher_innen unter anderem  erklärt, welche verschiedenen Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung es gibt. Daneben schlugen sie auch vor, Journalismus finanziell zu unterstützen - weil unabhängig finanzierte Medien eine der Möglichkeiten sind, Personen in Machtpositionen zu kontrollieren und Entscheidungen öffentlich zu hinterfragen.

Die Mädchenmannschaft hat in diesem Post ebenfalls vorgeschlagen, sich mit Spenden zu engagieren - feministischer/linker/emanzipatorischer Journalismus ist dabei aber nur einer der Zielvorschläge, auch Organisationen rund um Flucht und Asyl, Bildungsarbeit, Verfolgung von Polizeigewalt und einiges mehr werden genannt. Vielleicht findet ihr da ja auch etwas?
Spenden mag zwar weniger sichtbar sein als beispielsweise demonstrieren, hilft aber den Organisationen zumindest dabei, ihre Arbeit (gut) machen zu können. Das ist doch schon einiges wert.

Und weil es wichtig ist, sich im Leben auch Rückzugsräume zu schaffen, in denen man Kraft sammeln kann, hab ich mich sehr gefreut, auf  den #stitchtober als Variante zum #inktober zu stoßen. Die Idee des Inktobers ist es, an jedem einzelnen Oktobertag eine Tintenzeichnung anzufertigen - entsprechend geht es beim Stitchtober um eine Stickerei pro Tag. Ich habe den Eindruck, dass der Stitchtober noch keine große Verbreitung gefunden hat, aber das muss einen ja von nichts abhalten. Auf welche Weise ich das für mich umsetzen könnte, überlege ich noch. Vielleicht gibt es auch was Größeres, an dem ich aber jeden Tag ein bisschen arbeite?

Während ich darüber nachdenke, lasse ich mich auch noch an Andreas Plauschtafel nieder und schaue, was ihr so die Woche über getrieben habt.

Habt ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 28. September 2017

GRL PWR

Ich hab euch schon lange kein Revoluzzzionäres Monsterchen gezeigt, ne? Deswegen ist hier ein neues.

Frau Jule hat am Tag nach der Bundestagswahl geschrieben, dass dies "keine Zeiten [sind], in denen man ruhig in der Wohnung rumwerkeln und dem Frauenbild der Braunen nahe kommen sollte". Mehr denn je habe ich das Bedürfnis, mit meiner Teilnahme bei Jules monatlicher Linkparty Politisiert euch zu zeigen, dass Handarbeit keine unpolitische Biedermeierlichkeit sein muss. Und so bin ich im September mal wieder dabei und zeige euch das neueste revoluzzzionäre Monsterchen aus dieser wachsenden Familie.

Warum das Monsterchen "GRL PWR" auf seinem Rücken trägt?
Weil Jungs in ihrem Handeln und ihrer Abenteuerlust viel eher gefördert werden als Mädchen, denen weniger zugetraut wird.  

Weil Mädchen immer noch dazu erzogen werden, hübsch und brav zu sein, statt für sich und andere einzutreten. Weil Mädchen sich in Studien davon überzeugt zeigen, dass Jungs klüger wären als sie.
Weil Mädchen und Frauen gerne mal als das "schwache Geschlecht bezeichnet werden - wobei aber fröhlich ignoriert wird, dass Care-Arbeit (also "weibliche" Arbeit) körperlich anstrengend sein kann. 
Weil Frauen abgesprochen wird, Machtpositionen im Allgemeinen ausfüllen zu können, weil sie ihre ach so heftigen Emotionen nicht kontrollieren könnten (während man gleichzeitig gezeigte Emotionen bei Jungs so sanktioniert, dass sie gar nicht lernen können, damit umzugehen). 
Weil am Sonntag eine Partei in den Bundestag eingezogen ist, die Frauen am liebsten bei Kindern und Küche wüsste.
Weil es deshalb nicht schaden kann, sich regelmäßig in Erinnerung zu rufen, wie viel Stärke in einem steckt, was man in der Vergangenheit schon geschafft hat und was man daraus für die Zukunft mitgenommen hat.
GRL PWR - pink und blumig für dieses Monsterchen.

Die Inspiration für diesen entzückenden Rücken dürfte von fembroidery stammen, deren Stickerei ich unheimlich liebe. Falls ihr sie noch nicht kennt, solltet ihr unbedingt bei ihr vorbeischauen. 
Die Buchstaben habe ich größtenteils mit einem Spaltstich gestickt, das gefällt mir für Schrift besser als der einfache Rückstich (damit hatte ich das L gemacht).


Dieses kleine Monster nach einen kostenlosen Tutorial von Revoluzzza ging im Rahmen von #freudeschenken 2017 auf die Reise und hat an deren Ziel eine Person überrascht, die lustigerweise ein bei Instagram gepostetes WIP-Bild geherzt hatte. 



Montag, 25. September 2017

Wir sind 87 Prozent.

Mein Deutschland ist bunt. Und ich möchte, dass das so bleibt!
87 Prozent der deutschen Wahlberechtigten haben bei der Bundestagswahl nicht die AfD gewählt. Ich las heute, man solle das positiv sehen. Es sei doch eine Mehrheit, eine große sogar.

Aber sich an diesem Montag auf rosarote Mehrheitswattebäuschchen zu blicken, heißt auch, nicht in die andere Richtung zu schauen, wo die 13 Prozent der Wähler*innen stehen, die eben doch die AfD gewählt hat. Eine Partei, deren Spitzenkandidat direkt nach Verkündung der ersten Ergebnisse davon sprach, die künftige Regierung zu "jagen". Eine Partei, die eine rückwärtsgewandte Familien- und Geschlechterpolitik vertritt. Eine Partei, die offen rassistische Ressentiments bedient.

Ob ich die Wähler dieser Partei alle für Sexist*innen und Rassist*innen halte? Ich halte sie vor allem für Menschen, denen es nichts ausmacht, Sexist*innen und Rassist*innen dulden und unterstützen. Für Menschen, denen es egal ist, wenn andere unter deren Ansichten und Handlungen zu leiden haben. Und das finde ich verdammt beängstigend - ganz unabhängig vom konkreten Label.


Wir sind 87 Prozent. Aber das ist nur dann etwas wert, wenn wir diese große Mehrheit auch einsetzen. Wenn wir unsere Demokratie und unseren Pluralismus nicht mehr für selbstverständlich halten. Wenn wir nicht mehr so tun, als wäre Politik irgendetwas, was "die da oben" unter sich ausmachen und was uns eigentlich gar nicht betrifft. Wir müssen die nächsten vier Jahre etwas tun - für unsere Demokratie. Für mehr Mitgefühl. Für ein Deutschland, in dem man auch dann gut und gerne leben kann, wenn man aus irgendeinem Grund anders ist als die anderen.

Samstag, 23. September 2017

[Samstagskaffee] zur Bundestagswahl

Ein weiterer Frühstückskaffee im Café Tasso in Berlin.
 Guten Morgen ihr Lieben!

Eine tolle Woche in Berlin geht für mich zu Ende. Ich habe hier meine liebsten Buchhandlungen besucht, Freunde getroffen, Museen durchwandert und innerhalb der ersten drei Tage einen Berlin-Fan aus meiner Mama gemacht. War das schön!

Nebenher habe ich ganz viel auf Wahlplakate gestarrt und mit viel innerer Unruhe der morgigen Bundestagswahl entgegen geschaut. Zum ersten Mal seit 1961 werden wir aller Voraussicht nach wieder Nationalisten im Parlament sitzen haben (Quelle für Bundestagszusammensetzungen). Ich persönlich finde das fürchterlich. Aber ich hoffe, dass diese Aussichten morgen viele Menschen motivieren, ein Kreuzchen zu machen.

Denn dass gerade die selbsternannte Alternative sehr gut darin ist, ihre Anhänger*innen zu mobilisieren - und es ist verheerend, wenn alle anderen zu Hause bleiben. Natürlich macht eine Stimme von Millionen keinen großen Unterschied. Aber viele einzelne Stimmen tun das. Und an dem Punkt wird es statistisch relevant: 3 von 6 sind 50 Prozent, aber 3 von 10 sind nur noch 30 Prozent. Ihr seht, worauf ich hinauswill. 

Grafik von Between Bridges- dieses und andere Plakate dürfen und sollen unter
dem Link heruntergeladen und großflächig verteilt werden.
Ich habe ja glücklicherweise schon vor Wochen meine Briefwahlunterlagen in einen Briefkasten geschoben und bin damit die Frage los, was ich wähle. Denn auch mir ist das dieses Mal gar nicht so leicht gefallen - und ich weiß, dass das vielen meiner Freund*innen ganz ähnlich geht.

Für diejenigen von euch, die keine große Lust auf eine neuerliche große Koalition haben, ist vielleicht dieser Artikel von den Krautreportern etwas. Er zeigt die verschiedenen Möglichkeiten auf, gegen das "Weiter so!" zu stimmen. (Spoiler: Nicht wählen ist keine Lösung.)

Wer noch ein bisschen zusätzlichen Input zu den konkreten Absichten der einzelnen Parteien haben möchte, kann im Innensansicht-Magazin nachschauen, wo mittlerweile die Parteiprogramme von SPD, FDP, Linke, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und die AfD unter die Lupe genommen wurden.

Nun packe ich meine Tasche, um zum ersten Mal überhaupt zu einem Roller Derby-Bout zu gehen. Wuhu! Vorher hüpfe ich aber noch bei Andrea vorbei und finde heraus, wie eure Wochen so waren.

Habt ein tolles Wahl-Wochenende!

Samstag, 16. September 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Prost! Ich starte mit Tee ins Wochenende - und den Urlaub.

Hallo ihr Lieben!

Einmal mehr schliddere ich nur kurz bei Andreas Samstagsplausch vorbei - anders seid ihr das von mir ja ohnehin nicht gewohnt, nicht wahr? Diese Woche geht es nach Berlin. Allerdings bin ich dieses Mal nicht allein, sondern mit meiner Mama unterwegs, die noch nie in der Hauptstadt war und vor dem ersten Flug ihres Lebens ganz schön aufgeregt ist. Drückt ihr mir bitte alle die Daumen, dass es gut geht? (Flugaufälle aufgrund von Streik sind zu befürchten.)
Trotz aller Aufregung: Die Vorfreude ist noch größer. Umso mehr, weil mittlerweile offiziell ist: Ich ziehe im Winter in die Hauptstadt! Wie und wo genau es dort für mich weitergeht, ist noch nicht klar, aber seit ich das sicher weiß, komme ich mit einem ganz anderen Gefühl in der großen Stadt an. Das ist mein zukünftiges Zuhause, nicht mehr nur Ort viel zu kurzer Stippvisiten beim Lieblingsmenschen. Obwohl es noch ein paar Monate bis dahin sind, bin ich jetzt schon ganz schön aufgeregt - Job- und Wohnungssuche sind in vollem Gang und das ist ja immer eine stressige Sache.

Der Ablenkung wegen habe ich auch diese Woche wieder im Netz herumgestöbert und dabei erneut einiges an feministischen Netzfunden zu Tage gefödert:

Bei Zeit Online fand sich diese Woche ein spannender Artikel über Gender Studies und deren Zusammenhang mit dem Feminismus. Inklusive folgender Definition:
Feminismus bedeutet, dass Frauen sich und ihren Anliegen Gehör verschaffen.
Gender-Studies können bei solchem feministischen Engagement helfen, und sie tun das auch oft. Aber weder können sie den Feminismus ersetzen, noch sind sie ihm verpflichtet. Feminismus ist keine Wissenschaft. Es ist eine politische Bewegung. 
Margarete Stockowski setzte sich am Dienstag in ihrer Kolumne auf Spiegel Online mit dem Gender Pay Gap auseinander - und mit den fünf häufigsten Mythen, die in diesem Zusammenhang immer wieder bemüht werden. Bester Satz: "[..] man kennt das Statistische Bundesamt nicht unbedingt als feministische Guerillagruppe." Die Sätze außenrum sind aber noch viel gehaltvoller - und könnten in der einen oder anderen Diskussion auch gut weiterhelfen. Lesen lohnt sich also.

Das innenAnsicht-Magazin hat zwei Artikel zum Thema Schwangerschaftsabbruch: einmal in Deutschland und einmal in Kroatien. Beides sehr spannend - und erschreckend, wie stark der Widerstand gegen die Selbstbestimmung über den eigenen Körper nach wie vor ist.

Ebenfalls beim innenAnsicht-Magazin gibt es einen Blick ins Wahlprogramm der AfD unter frauen*politischen Gesichtspunkten.  Ich gehe ja nicht davon aus, dass hier Personen mitlesen, die erwägen, die AfD zu wählen. Falls doch: In dem Tab findet ihr rechts so ein Kreuz. Einmal klicken, bitte, danke. Den Verbleibenden sei gesagt: Der Blick ins Programm dieser angeblichen Alternative ist besonders dann zu empfehlen, wenn ihr noch nicht wisst, ob ihr überhaupt wählen gehen werdet. Dürfte euch motivieren. Denn jedes Kreuz, das ihr irgendwo anders auf dem Zettel macht, reduziert den relativen Anteil der rechten Stimmen.

Zuletzt hat auch der von mir vielgeliebte Lila Podcast eine Episode zur Bundestagswahl gemacht, in der sie einen etwas weiteren Blick in die deutsche Parteienlandschaft werfen.

Wenn euch das noch nicht weiterhilft, möchte ich euch nochmal ans Herz legen, euch die verschiedenen Tools anzuschauen, die euch dabei unterstützen können, die Parteien auf bestimmte Punkte hin abzuklopfen: der altbekannte Wahl-O-Mat, der Sozial-O-Mat für Fragen der Sozialpolitik und deinwal.de für den Überblick über Parteien-Positionierung in den Bundestagsabstimmungen der letzten Legislaturperiode.

Habt alle ein zauberhaftes Wochenende - ganz egal, wo ihr seid!

Samstag, 9. September 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Guten Morgen! Lasst uns zusammen eine Tasse Tee trinken.

Hallo ihr Lieben,

hui, ging die Woche schnell vorbei! Angefangen mit einem ziemlich coolen Bierbraukurs in München (wenn ihr mögt, erzähle ich euch in den nächsten Tagen ein bisschen mehr dazu?) am vergangenen Wochenende, habe ich einige Abende mit lieben Menschen verbracht - und während ihr das hier lest, bin ich auch schon wieder auf Achse und sause zur nächsten Freundin, um dort einen Abend im privaten Pub zu verbringen.
Vorher lasse ich mich aber an Andreas Plauschtafel nieder und schaue nach, wie es euch in dieser Woche so ergangen ist. 

Aber vorher zeige ich euch noch, was ich trotz aller Aktivitäten außer Haus in dieser Woche im Netz so gefunden habe:

"Das Zeigen der Vulva rettet die Menschheit." So ist das nämlich.

Unheimlich gefeiert habe ich auf der Fahrt von und nach München die neueste Episode des Lila Podcasts. Darin geht es um die Vulva, also den äußerlich sichtbaren Bereich der Genitalien. Womit wir an einem der Knackpunkte wären, die auch im Podcast angesprochen werden: Ich war wieder einmal versucht, von "weiblichen" Genitalien zu schreiben. Was aber halt nicht unbedingt zutrifft: Es gibt Menschen, die weder weiblich noch männlich sind. Es gibt Menschen, die sich männlich identifizieren, aber eine Vulva haben - genauso wie es Frauen mit Penissen gibt. Mithu Sanyal, über deren Buch zur Vulva es im Podcast geht, hat angemerkt, wie gerne sie von der Geschlechterdichotomie weggekommen wäre, aber wie schwer es ihr gefallen sei, wie sehr ihr alternative Worte gefehlt hätten, um auszudrücken, was sie eigentlich meinte.

Mithu Sanyal erwähnt im Podcast, dass sie beim erstmaligen Anblick ihrer Vulva unsicher war, ob diese eigentlich ansehnlich sei oder eher gar nicht. Da musste ich spontan an einen meiner liebsten Instagram-Accounts denken:  The Vulva Gallery macht die unterschiedlichen Ausprägungen sichtbar, die Vulven so haben können. Sichtbare innere Schamlippen? Narben? Haare? Pigmentflecken? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und es gibt deswegen erst recht nichts, was nicht okay wäre, genau so wie es ist. So ein liebevoller und versöhnlicher Blick - mir tut schon allein die Existenz dieses Accounts gut.

Ergänzend zur Episode des Lila Podcasts sei hier noch einmal diese  kleinercast-Episode erwähnt.
Während ich den Lila Podcast angehört habe, musste ich auch wieder an diese Episode des kleinercast denken, in dem es unter anderem darum geht, warum es so wichtig ist, dass Kinder die richtigen Begriffe für Genitalien lernen. 

Dieser Artikel hat mich unheimlich traurig gemacht. Dass bereits im Alter von sechs oder sieben Jahren kleine Mädchen davon überzeugt sind Mädchen und Frauen seien per se weniger schlau oder gar brillant als Jungs und Männer, ist ein verdammt großes Armutszeugnis.

Habt ein wunderschönes Wochenende!

Montag, 4. September 2017

[3 of a kind] I want to do someday

Im September will Sas drei Dinge von uns erfahren, die wir eines Tages tun wollen. Die Frage war gar nicht so schwer, denn in meinem Notizbuch steht eine wohlgefüllte Bucket-List mit den unterschiedlichsten Zielen. Mich auf drei konkrete Punkte zu beschränken, ist mir da viel schwerer gefallen...

Schloss Turaida, umgeben von nebelvergangenen Wäldern. 
Roadtrip durchs Baltikum. Seit ich 2014 auf einer Busreise mit Erasmus-Studierenden in dieser Gegend unterwegs war, zieht es mich dorthin zurück. Tallinn ist mir als verwinkelte Märchenstadt im Gedächtnis geblieben, doch am schönsten fand ich es in Lettland. Das Schloss Turaida mit deinem Park hat mich besonders beeindruckt. Zum Schloss gehört nämlich ein Park, in dem ein Künstler während der Sowjetzeit Skulpturen zu Volkssagen verteilt hat - ohne Titel, um sie vor Zensur zu schützen. Leider war damals viel zu wenig Zeit, sie mir genauer anzuschauen...

Intensive Beschäftigung mit Fan Studies. Im selben Jahr habe ich auch angefangen, mich in das weite, wunderbare Feld der Fan Studies einzulesen. Wie wundervoll muss es sein, zu einem so grandiosen Thema zu forschen? Ein tolles Semester lang habe ich Hausarbeiten über Harry Potter und Game of Thrones verfasst... Leider habe ich es aber versäumt, mir die Buchtitel rauszuschreiben, denn es würde mich sehr in den Fingern jucken, mich da wieder einzugraben.

LARP ausprobieren. Falls ihr es nicht kennt: LARP steht für Live Action Role Play. Das heißt, Leute verkleiden sich und spielen einen Charakter in einer großen Geschichte. Viele meiner Freunde larpen, aber irgendwie habe ich es bisher noch nie geschafft, mich einfach zu überwinden und mitzumachen. Wenn ich ihnen dabei zuschaue, wie sie in monatelanger Arbeit Kleidung nähen und verzieren, sich Hintergrundgeschichten ausdenken und mit leuchtenden Augen irgendwelche LARP-Anekdoten erzählen, bin ich ein bisschen neidisch.

Sas' Sammlung ist den ganzen Monat geöffnet. Vielleicht fallen euch ja auch drei Dinge ein, die ihr irgendwann einmal tun wollt? Ich bin gespannt!

Samstag, 2. September 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Ehrlich gesagt: Das ist Kakao vom vergangenen Sonntag. In meinem herzallerliebsten Café Tasso in Berlin.
Hallo ihr Lieben!

Viel zu lange schon habe ich nicht mehr an Andreas Plauschtafel Platz genommen, aber heute ist es endlich mal wieder so weit. Allerdings muss ich gestehen, dass ich diesen Beitrag vorbereite und es erst im Laufe des Wochenendes schaffen werde, bei euch vorbeizuschauen. Ich bin nämlich schon wieder unterwegs! Nach mehreren Wochenenden auf Festivals oder beim Lieblingsmenschen in Berlin, gönne ich mir nicht etwa eine Ruhepause, sondern sause zur Besten nach München. Dort will ich heute lernen, wie man Bier braut. Ich bin ganz schön gespannt...

Als ich Sonntagnacht verspätet aus Berlin zurückkam, warteten meine Briefwahlunterlagen auf mich. Mittlerweile habe ich die Zettel sogar schon ganz strebsam ausgefüllt und zur Post getragen. Einfach fand ich das dieses Mal überhaupt nicht. Aber in den Weiten des Internets gibt es natürlich hilfreiche unterstützende Tools. Der Wahl-O-Mat ist ja hinreichend bekannt, nehme ich an. Anhand 38 Thesen, die sowohl insgesamt 32 Parteien als man selbst beantwortet, wird die Übereinstimmung mit eben jenen Parteien erreichnet. Neu war mir DeinWal.de. Dieses Tool ist nicht nur putzig illustriert, sondern auch reichlich aufschlussreich. Anhand diverser Fragen zu verschiedenen Politikfeldern errechnet sich am Ende die eigene Überschneidung mit verschiedenen Parteien. Der Clou daran: Anders als beim Wahl-O-Mat werden dafür keine hypothetischen Stellungnahmen von Parteien herangezogen, sondern die konkreten Entscheidungen in Abstimmungen der vergangenen Legislaturperiode. Das empfinde ich persönlich als "zuverlässiger". Wer allerdings seine Stimme lieber einer ganz kleinen Partei geben möchte, zieht hier natürlich keine Erkenntnisse draus und ist beim Wahl-O-Mat besser aufgehoben. Fun-Fact: Die Ergebnisse beider Tools waren bei mir sehr vergleichbar. Und obwohl sie mir keine Entscheidung abnehmen können, fand ich sie dennoch ziemlich hilfreich.

Lesenswert fand ich dieses Interview des ZEIT Magazins mit der Soziologin Jutta Allmendinger. Ihre These: Der Arbeitsmarkt ist auf die Bedürfnisse von Frauen und ganz besonders Müttern so schlecht ausgerichtet, dass für viele bis heute der Rückzug daraus verlockender ist. Und das, obwohl Berufstätigkeit für Männer wie Frauen identitätsstiftend ist.

Habt ein traumhaftes Wochenende!

Dienstag, 29. August 2017

10 Fakten über mich und Festivals

Strahlend blauer Himmel auf dem Summerbreeze 2017
Im August sammelt Astrid unsere persönlichen Fakten über Musik. Inspiriert von einem Post der wunderbaren Frau Jule mache ich daraus zehn Festivalfakten über mich.

Insgesamt habe ich in meinem Leben bisher sieben Mehrtages-Festivals besucht, nämlich 4x Summer Breeze, 1x Ragnarock, 1x Prophecy Fest, 1x Hammer of Doom. Bisher also nicht so wahnsinnig viele und auch nur deutsche Festivals. Wenn es nach mir geht, darf sich das gerne auch noch ändern. Abhängig ist das eigentlich nur vom Line-Up.

Wenn ich nämlich auf ein Festival fahre, dann in erster Linie wegen der Bands. Am liebsten verbringe ich einen Großteil der Zeit vor irgendeiner Bühne, halte Teufelshörner in die Luft oder gröhle mit. Wenn es sein muss, auch bis nachts um halb vier. Zeltplatztourismus mit ewigem Rumhängen am Zelt und ziellosem Trinken machen mich zappelig und unzufrieden.

Summer Breeze 2017: Amon Amarth

Drei von vier Summerbreezes habe ich mit meiner besten Freundin verbracht, die eine ganz großartige Begleitung ist. Stets gut gelaunt, ziemlich passender Musikgeschmack, eine Göttin am Campingkocher. Außerdem besitzt sie im Gegensatz zu mir Zelt und Pavillon!

Überhaupt: Begleitung. Im Gegensatz zu Jule würde ich nie allein auf den Festival fahren wollen. Neben meiner habe ich noch ein weiteres Grüppchen an Menschen, die sich als tolle Festivalbegleitung herausgestellt haben. Egal in welcher Gruppe ich unterwegs bin, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich am Ende des Festivals noch mehr Menschen kenne.

Besonders zu nennen sind da Zeltplatzfreundschaften. Diese Leute, die man kennen lernt, weil man sich an der Wasserstelle den Kanister über den Kopf geleert hat, um der akuten Hitze Herr zu werden und dann über Verdunstungskälte plaudert. Menschen, die einem morgens eine Pfanne mit Rührei in den Pavillon bringen, weil sie schon satt sind und wir hungrig aussahen. Campingnachbarn schließe ich inniglich in mein Herz und leide dann auf der Heimfahrt unter fiesem Herzschmerz, weil man sich vermutlich nie wieder begegnen wird.

Da sitzt man so, guckt man in den Himmel und alle Probleme sind ganz weit weg.
Nun gibt es natürlich auch Kurzzeitnachbarn, die ich nicht ganz so schätze, weil sie nächtelang grauenhaften Deutschrap hören und Dünnschiss labern. Aber auch mit denen habe ich schon freundliche Momente geteilt, in denen riesige Gummibärchentüten herumgereicht wurden, ein Pavillon gegen den nahenden Sturm mit zusätzlichen fremden Heringen und Panzertape gesichert wurde oder stundenlange Uno-Partien ausgefochten wurden.

Am schönsten fand ich das Zelten bislang auf dem Ragnarock 2015, weil ich da als Crew-Mitglied im VIP-Bereich nächtigen durfte. Sprich: Extrem kurze Wege zur Bühne, nur tolle Nachbarn und Zugang zu einer echten Dusche.

Gesichtskirmes unterm Pavillon und ausnahmsweise tolle Funde auf dem Dixieklo.
Dass ich mit den sanitären Zuständen auf den üblichen Zeltplätzen nämlich nur so semi klarkomme, habe ich auf der diesjährigen Rückreise vom Breeze daran bemerkt, dass ich die Handseife auf der Zugtoilette (!) als bedeutsames Zeichen von Zivilisation gepriesen habe. Die meisten Menschen finden Zugtoiletten ja eher grausam.

Die sanitären Zustände sind – zusammen mit dem Schlaf auf richtigen Matratzen einer der Gründe, warum ich zunehmend kleine Festivals für mich entdecke, für die ich im Umfeld eine Ferienwohnung anmiete. Abends nicht in ein klammes Zelt kriechen zu müssen, sondern auf einer Couch vor dem Kamin herumzulungern, hat schon was für sich. (Ist nur vielleicht nicht ganz so true wie schlammverschmierte Leiber.)


Sobald ich dann eine Nacht in einem richtigen Bett geschlafen habe, steigt bei mir die Vorfreude aufs nächste Mal.

Früher hab ich Festivalbändchen noch monatelang getragen, jetzt schneide ich sie ziemlich schnell ab. Die Dinger jucken wie Sau! Außerdem bleiben sie schöner, wenn man sie irgendwo aufnäht. (Wo genau ich sie aber aufnähen werde, weiß ich noch nicht so genau.)

Was macht ihr mit alten Festivalbändchen? Oder seid besucht ihr höchstens mal Einzelkonzerte? Erzählt mal!

Mittwoch, 9. August 2017

Juli - es war regenbogenbunt!

Auf Mondkunst rekapitulieren Hana und Nria jeden Monat, was sie so getan haben. Nachdem der Juni ausgefallen ist, folge ich für den Juli rückblickend ihrem Beispiel.

Für mich selbst gewerkelt im Juli:
Im Rahmen der CSD-Linkparade habe ich mir ein regenbogenbuntes Hexagonkissen genäht. Dieses hat auch tatsächlich den größten Teil meiner Werkelzeit gebunden. Hat Spaß gemacht!

Fluff präsentiert Regenbögen.

Für andere gewerkelt im Juli:
Daneben sind Kleinigkeiten entstanden, die ich hier aber noch nicht gezeigt habe. Vermutlich begegnen euch beide noch in Frau Jules Reihe "Politisiert euch!". Aber vorher muss ich sie noch vor die Kamera bekommen...

Angefangene Projekte:
Nichts, was momentan unvollendet herumliegen würde.

Gescheiterte Projekte:
Nö.

Neue Schnittmuster, Anleitungshefte und Bücher:
Im Schnittmuster- und Anleitungsbereich habe ich nichts neues gekauft. Allerdings ist "Craftista! Handarbeit als Aktivismus" in meinem Bücherregal gelandet, nachdem ich diesen Artikel im innenAnsicht-Magazin gelesen hatte.

Stoff gekauft:
Für das Regenbogenkissen habe ich ordentlich eingekauft - den gab mein Stoffschrank nämlich nicht her. 1,61 m² sind neu hineingewandert.

Stoff vernäht:
Leider hab ich nicht ganz so viel verarbeitet wie gekauft. 1,37m² sind direkt wieder verschwunden. Wir merken: Mein Stoffschrank beinhaltet noch Material für mehr Regenbögen!

Material verarbeitet:
Außer Stoff ist nichts weiter passiert.

Pläne für den August:
Konkrete Pläne habe ich nicht - dafür bin ich im August zu viel unterwegs.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Werkelpläne für den August?

Sonntag, 6. August 2017

[Samstagstee] am Sonntag

Mein neuer Teeuntersetzer von Antje. Ist er nicht wundervoll?

Hallo ihr Lieben,

heute zeigt mein Foto gleichzeitig auch einen Glücksmoment der letzten Woche. Da kam ich nämlich am Sonntagabend vollkommen erledigt von einem Festivalwochenende nach Hause - und zog einen dicken Umschlag aus dem Briefkasten. Die liebe Antje von fairy&snail hat mich mit einem kleinen Präsent überrascht, als Dankeschön für ihr feministisches Monsterchen Agneta. Als hätte sie geahnt, dass ich auch heute wieder reichlich müde und mit Halsschmerzen (fiese Klimaanlage im Zug!) aus dem Wochenende zurückkommen sollte, beinhaltete es diesen liebenswürdig bestickten Untersetzer sowie einige Beutel Tee. Diese führe ich mir nun zu Gemüte, während ich bei Andrea nachschaue, was ihr so die Woche über getrieben habt. Vorher habe ich aber noch ein paar Netzfunde für euch.

"Farbe, Vielfalt, Toleranz!" war das Motto.
Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben hat am Montag ihre regenbogenbunte Linkparade zum CSD geschlossen - jedenfalls für dieses Jahr. Ich hoffe sehr auf eine Neuauflage 2018. Vorher habe ich aber nochmals einen Blick in die Sammlung geworfen, um sicher zu gehen, dass ich keinen Beitrag verpasst habe.

Toleranz fordert nicht nur Karins Linkparade, sondern auch dieser Artikel über Fat Acceptance und Body Positivity. Natürlich haben wir alle irgendwelche Idealvorstellungen, ästhetische Vorlieben - aber die haben erst einmal mit uns selbst zu tun, nicht mit den anderen. Und für diese anderen gilt, was Your Fat Friend am Ende schreibt:
"Dignity is not earned. Safety is not a reward. None of us should have to overcome our bodies just to be safe, to be loved, to be treated like anyone else. Safety, acceptance and love are for all of us. Not just the ones we’re comfortable with." 
Das finde ich einen ziemlich wichtigen Gedanken im Umgang mit anderen Menschen - und zwar unabhängig davon, ob sie jetzt dick sind oder irgendeine andere negativ konnotierte Eigenschaft haben. (Im Artikel geht's allerdings auch erst mal um Optik - bei Überzeugungen ziehe ich nämlich sehr wohl Grenzen, hinter denen niemand mehr erwarten kann, Liebe und Akzeptanz von mir zu bekommen.)

Außerdem bin ich im Guardian über einen Nebeneffekt der globalen Erwärmung gestolpert: Weil die Gletscher in den Alpen mit rasender Geschwindigkeit wegschmelzen, tauchen dort nun immer häufiger die sterblichen Überreste von Menschen auf, die dort verschwunden sind - teilweise erlangen ihre Angehörigen so nach 75 Jahren endlich Gewissheit über den Verbleib ihrer Lieben. Den Artikel findet ihr hier

Kommt gut in die neue Woche!


Mittwoch, 26. Juli 2017

[Rezension] Good Night Stories for Rebel Girls

Rezension
"Good Night Stories for Rebel Girls" von Elena Favilli und Francesca Cavallo
Astrid Lindgren kennt jeder. Aber habt ihr schon mal von Maud Stevens Walker gehört? Nein? "Good Night Stories für Rebel Girls" würde das ändern. Mir ist da nämlich im Juni schon wieder ein hübsches Buch zugelaufen, das dann ganz ungeplant mit nach Hause musste...

Das Buch stellt einhundert Frauen in Kurzbiografien vor. Einige von ihnen sind oder waren Schriftstellerinnen, andere Sportlerinnen. Musikerinnen, Politikerinnen und Aktivistinnen sind ebenso dabei wie Königinnen und Journalistinnen. Women of Colour sind ebenso dabei wie Frauen mit Behinderungen und Transfrauen, ihre Herkunft umfasst die ganze Welt und zwei Jahrtausende. Gemeinsam ist all diesen Frauen, dass sie etwas Außergewöhnliches geleistet haben und jede dieser Leistungen wird gefeiert. Mir hat gefallen, dass dadurch vermittelt wird, dass jede auf ihre Art, mit ihren Stärken und Fähigkeiten etwas Positives in ihrem Bereich erreichen kann - dass es nicht schlimm ist, dass wir nicht alle beispielsweise Naturwissenschaftlerinnen sind.
Passend dazu und sehr schön finde ich die Möglichkeiten, sich selbst in das Buch einzubringen. Nach den hundert Porträts findet sich eine Doppelseite, in die man seine eigene Geschichte  und das eigene Gesicht eintragen kann.

Den Gesichtern der Frauen wird ebenso viel Raum gegeben wie ihre Biographie, jeweils die rechte Seite ist gefüllt mit einem Porträt von insgesamt 60 Künstlerinnen aus aller Welt, die ganz unterschiedliche Stile haben. Manche sind kantiger als andere, einige sind sehr bunt, ein paar sind sehr verträumt - eben so unterschiedlich wie die porträtierten Frauen. Natürlich sagen mir einige Bilder mehr zu als andere. Aber auch hier schätze ich die Abwechslung und vor allem die liebevolle Zusammenstellung. Ich habe bei allen Illustrationen den Eindruck, dass die jeweilige Künstlerin die Essenz der Porträtierten eingefangen hat. Die Bebilderung war letztendlich auch der Grund für den sehr spontanen Kauf!

Rezension
Das ist Maud Stevens Wagner, eine der porträtierten Frauen.
Die größte Stärke des Buches für mich liegt aber darin, dass ich unheimlich Lust bekommen habe, weiter zu recherchieren, ausführlichere Biographien zu lesen - und vielleicht sogar zu schreiben. Als ich an dem Punkt war, dass ich am liebsten Porträts sticken und diese dann betexten wollte (vollkommen wahnsinnig!), habe ich mich schnell auf meine negativen Kritikpunkte konzentriert.

Diese negativen Punkte gibt es nämlich trotz aller Begeisterung auch: Das Buch wird auf der Rückseite beworben, es sei ein "must-have for the nightstand of every girl or young woman you now" und es ist tatsächlich auch ein bisschen aufgemacht, als könnte es sich um Gute-Nacht-Geschichten für Mädchen handeln. Zu klein dürfen diese Mädchen aber nicht sein, denn auch wenn oft eine Märchenstruktur bedient wird ("Once upon a time..."), sind die Texte doch teilweise gespickt mit Fremdwörtern, die auch nicht erläutert oder im Folgesatz umschrieben werden.

Leider wird die Märchenstruktur auch nicht ganz konsequent durchgezogen: "Once upon a time..." ist zwar meist der Textbeginn, aber eben nicht immer. Das wirkt auf mich, als hätte man ein Konzept nur halb durchgezogen. Gleichzeitig wirken Textteile teilweise seltsam unverbunden, als hätte man vergessen, sie an die richtige Stelle zu schieben. Informationen stehen irgendwo am Ende, obwohl sie sich in der Mitte wunderbar eingepasst hätten. Hier scheint mir, dass ein korrigierender Durchgang vor der nächsten Auflage keine schlechte Idee wäre, denn für mich widerspricht das der vielen Arbeit und Liebe, die so offenkundig in diesem Buch steckt.


Das Cover hat mich wieder mal erwischt... Ist es nicht hübsch?
Und was ist jetzt mit Maud Stevens Wagner? Die war die erste bekannte US-amerikanische Tattookünstlerin überhaupt. Ansonsten ist Maud einfach einer von hundert Gründen, dieses Buch zu kaufen. Trotz meiner Kritikpunkte kann ich hier nämlich eine ganz entschiedene Leseempfehlung aussprechen.

Welches Buch hat euch zuletzt begeistert? Erzählt mal!

Samstag, 22. Juli 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Frühstück im Weltladen am Charlottenplatz - mit Kaffee und aktivistischer Hirnnahrung

Hallo ihr Lieben!

Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Woche? Meine ist so an mir vorbeigerauscht, dass ich am Freitagabend völlig überrascht vom Wochenende war. Gefühlt war immer noch eher Mittwoch. Aber mittlerweile bin ich jetzt ausgeschlafen bin, war in einem meiner Lieblingscafés frühstückslesen und klicke mich gleich an mein CSD-Blogparaden-Regenbogenkissen gekuschelt zu Andreas Samstagsplausch - so komme ich schnell im Samstag an.
Nachher treffe ich mich mit meiner Mama, um einen längst überfälligen Mutter-Tochter-Urlaub für den Spätsommer zu planen. An meiner Seite will sie sich nämlich erstmalig in ein Flugzeug wagen - und dann Berlin erkunden. Ich freu mich jetzt schon!

Bevor ich nachlese, wie ihr anderen eure Woche verbracht habe, will ich euch an meinen Netzfunden der Woche teilhaben lassen:

Über Lisa von "Radau im Nähzimmer" habe ich eine Seite voller Mitschnitte von Ringvorlesungen der Gender Studies der Uni Marburg aus den letzten Jahren gefunden. Ich bin ja jetzt einige Zeit aus dem Studium raus - und noch länger aus der Phase, in der man inspirierende Vorlesungen hört. Schön, dass die Uni Marburg diese Mitschnitte öffentlich zugänglich gemacht hat!


Dank der Instastory von Feminismus im Pott bin ich auf diesen Beitrag des Deutschlandfunks über Homosexualität im Frauenfußball aufmerksam geworden, in dem nicht nur darüber gesprochen wird, dass lesbische Frauen trotz eines vermuteten Anteils von etwa fünfzig Prozent recht unsichtbar bleiben, sondern auch über die Sexualisierung in der Vermarktung des Sports, um "den Frauenfußball sexy [zu] machen, so dass Männer uns dafür mögen. Das ist ja auch nur eine Form von Sexismus." Dass diese Strategie offenbar nicht so richtig aufgeht, bemerke ich als fußball-desinteressiertester Mensch ever hauptsächlich daran, dass Männerfußball für nervtötende Ausnahmezustände führt, während ich von den Damen tatsächlich nur mitbekomme, wie deren Brüste in den Medien herumgeschwenkt werden. Aufmerksamkeit auf die sportliche Leistung zu lenken, funktioniert offenbar nicht so richtig.

Bei Spiegel Online hat Margarete Stockowski wieder einmal heftig mit den Augen gerollt, nachdem Claus Kleber ein Interview mit Maria Furtwängler geführt hat. Sie hat mit ihrer Stiftung MaLisa eine Studie zu unterschiedlicher Geschlechterrepräsentanz in Fernsehen und Kino durchführen lassen - ein Studienthema, das zu dem Herr Kleber gerne wissen möchte, ob Frau Furtwängler mit ihrer Studie eine Umerziehungsagenda verfolge, die auf  "Geschlechterproporzgeschichte"herauslaufe. Warum "Umerziehung" jetzt vielleicht nicht das Wort der Wahl sein sollte, warum es schön wäre, mehr weibliche Vorbilder in audiovisuellen Medien zu haben und was das Festhalten an einer männlichen Besetzung von Doctor Who mit Asbest zu tun hat, fand ich hier wie üblich sehr angenehm zu lesen. Nicht angenehm zu lesen und nicht empfehlenswert sind die Kommentare unter der Kolumne. Wie üblich, wenn's um Feminimus geht (auch wenn ich hier auf die Schnelle keine Gewaltfantasien gesehen habe, wie sie einem auf Facebook und Instagram um die Ohren fliegen).

Dass man Kommentare einfach grundsätzlich nie lesen sollte, schreibt Lady Tea im innenAnsicht-Magazin zu den "13 Dingen, die mir der Feminismus beigebracht hat".Wie recht sie doch hat! Mit anderen Punkten auf ihrer Liste ebenfalls.

 Habt alle ein wundervolles Wochenende!

Donnerstag, 20. Juli 2017

[CSD-Blogparade] Ein ganzer Regenbogen

Das ist mein Eulerich Fluff. Er hat ein Körnerkissen im Bauch und mag Regenbögen und riesige Lollies.
Im Mai hat mich Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben gefragt, ob ich Lust hätte, sie bei ihrer Linkparty zum CSD als Paradebloggerin zu unterstützen. Und ob ich das hatte! Mittlerweile läuft die Parade seit dem 28.6. und die hier zu bestaunenden Beiträge sind ganz unterschiedlich und allesamt fantastisch.

Ich darf heute eine Werkelei hinzufügen, von deren Entstehung ihr auf Instagram bereits kleine Ausschnitte erspähen konntet: Eine regenbogenbunte Hexagon-Kissenhülle.

Diese Kissenhülle leuchtet, wenn man sie in die Sonne hält. Ich bin hin und weg davon.
In Finnland hatte ich einen Mitbewohner, den ich sehr mochte. Er hat mir Kuchen gebacken, wenn ich krank war, ich habe ihm Pfannkuchen zum Frühstück gemacht. Wenn ich eine Umarmung brauchte, habe ich an seine Tür geklopft. Erst nach Monaten, in einer ziemlich betrunkenen Nacht, hat er mir gesagt, dass er schwul ist.
Schon kurz darauf haben wir unsere WG aufgelöst und jeweils die Heimreise angetreten. Ich war traurig, weil Finnland mein happy place geworden war. Mein Mitbewohner hingegen war panisch, weil er zu Hause sein Coming Out gegenüber seinen Eltern plante.
Wochenlang habe ich ihm über einen Ozean hinweg virtuell die Hand gehalten, während er mehrere Anläufe unternahm, es ihnen zu sagen und sich im letzten Moment doch nicht traute. "I just couldn't do it. I am so afraid. What if they don't love me anymore?"
Als er sich doch getraut hat, hat seine Mutter ihn zuerst gefragt, ob er psychatrische Hilfe in Anspruch genommen hat und danach überhaupt nicht mehr mit ihm gesprochen.

Fluff findet, man kann sich ziemlich gut an das Kissen ankuscheln.
An diesen ehemaligen Mitbewohner denke ich, wenn jemand behauptet, Homosexuelle würden  dermaßen hofiert werden, dass man sich als heterosexuelle Person diskriminiert fühle.
Ich fühle mich nicht diskriminiert als Frau, die in einer Beziehung mit einem Mann lebt. Ich bin dankbar, dass ich meinen Eltern von meinem Partner erzählen kann, ohne Angst vor ihrer plötzlichen Ablehnung zu haben. Dass ich am Montagmorgen im Büro vom Wochenende mit dem Lieblingsmenschen erzählen kann, ohne dass tagelang darüber getratscht wird. Ich sehe keine Diskriminierung darin, dass meine Beziehungsform derart gewöhnlich ist, dass sie kein Politikum ist.
Ich habe nur ein paar vereinzelte Hexagone gequiltet. Das sieht luftiger aus, finde ich.
Sexualität kann erst dann wirklich Privatsache sein, wenn sie als alltäglich wahrgenommen wird. Dass das nicht der Fall ist, zeigen geifernde Reaktionen auf die Öffnung der Ehe. Es müsse doch mal Schluss sein, las ich viel zu oft und fragte mich, warum denn bitte Schluss sein sollte, solange die Liebesbeziehungen mancher Menschen als Beziehungen zweiter Klasse behandelt werden? Solange nicht völlig wurscht ist, wer mit wem wie verbunden ist, bleibt die Liebe ein politisches Thema - und CSD-Linkparaden wie diese sowie andere Pride-Aktionen notwendig. Um für Sichtbarkeit zu sorgen. Um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es neben der Heterobeziehung auch noch was anderes gibt. Und um so Stück für Stück für Normalität zu sorgen.

Gewöhnung funktioniert nämlich. Nachdem die Mutter meines ehemaligen Mitbewohners tagelang nicht mehr mit ihm gesprochen hat, ist ihr aufgefallen, dass die Homosexualität ihres Sohnes einen Scheiß daran ändert, dass er ihr liebenswerter, kluger, freundlicher Sohn ist. Heute sagt sie zu Nachbarn: "Na und? Dann hab ich halt einen Schwiegersohn, statt einer Schwiegertochter. Und wisst ihr was? Der ist super!"

Wenn ihr auch dazu beitragen möchtet, dass die Nähblogs ein bisschen zu mehr Farbe, Vielfalt und Toleranz beitragen, könnt ihr noch bis zum 31. Juli mitmachen. Ich würde mich sehr freuen, von euch zu lesen!
Hier geht's entlang zum Mitmachen!

Samstag, 15. Juli 2017

[Samstagstee] mit feministischen Netzfunden

Regenbogenfarbener Samstagstee
Guten Morgen ihr Lieben!

Seid ihr gut durch die Woche gekommen? Meine ist verdammt schnell vergangen - nicht zuletzt, weil ich fleißig an meinem Beitrag zu Karins CSD-Linkparty herumgestichelt habe. Am Donnerstag ist mein Paradebeitrag nämlich schon dran! Parallel zur eigenen Näherei habe ich mit Spannung verfolgt, was die anderen Beitragenden so zu zeigen und zu sagen hatten und fand jeden einzelnen Post lesenswert. Bis zum 31.7. hat ihr alle noch die Gelegenheit, ebenfalls farbenfrohe Fotos und Werkeleien zu teilen. Ich würde mich freuen, noch viele andere Beiträge zu lesen!

Hier gibt es alle bisherigen Beiträge zu sehen.

Auch andere Ecken des Internets waren diese Woche sehens- und hörenswert. So bin ich vor einiger Zeit auf den feministischen Blog thea gestoßen, der sich nicht zuletzt damit auseinandersetzt, wie Frauen in der Sprache vorkommen. Als sprachverliebte Feministin ist das natürlich ein Blog für mich! Zuletzt ging es um historische Zitate - und warum diese frauenfeindlich sein können. Dass "Dann sollen sie doch Kuchen essen!" a) falsch übersetzt wurde und b) vermutlich nicht mal was mit Marie Antoinette zu tun hat, wird hier ausgiebig erklärt und in einen größeren Zusammenhang gestellt. Spannend!

Verdammt verstörend fand ich hingegen den Vortrag "Der Wille zum Nein" von Dania Alasti. Sie spricht darin über die Rechtsprechung in Vergewaltigungsfällen. Die Erkenntnis, dass nach deutschem Recht Sitzblockaden physische Gewalt sind, sexuelle Handlungen gegen den Willen der oder des Anderen lange Zeit aber nicht als solche gewertet wurden, ist krass. Der Vortrag enthält die recht detailierte Beschreibung eines Übergriffs, seid also vorsichtig.

Hier könnt ihr euch den Podcast anhören.
Zuletzt habe ich mich auch noch massiv über diesen Artikel auf ZEIT Online geärgert, in dem eine Journalistin sich darüber auslässt, was für eine tolle Möglichkeit Umzüge seien, um eine Stadt kennenzulernen. Während ich versucht war, ihr stattdessen ausgedehnte Spaziergänge vorzuschlagen, rollten meine Augen langsam in den Hinterkopf. Besonders angesichts solcher Sätze kommt mir ja auch die Galle hoch: 
"Umzugstage sind eine genderdebattenfreie Zone – die Jungs schleppen, bohren und wuchten, die Mädels wickeln ein, packen aus und dekorieren herum – MINT-Kampagne my ass."
Hätte ich das mal früher gewusst. Blöderweise habe ich mich nämlich vor dieser Lektüre zwecks Umzugshilfe mit einem befreundeten Paar verabredet. Zum Kisten tragen und in Autos wuchten, um genau zu sein, gemeinsam mit allen Anwesenden.

Wenn meine Arme dann vor lauter Schlepperei dann bis zum Boden reichen, werde ich mich noch bei Andreas Samstagsplausch niederlassen und herausfinden, was ihr diese Woche so getrieben habt. . Ich freu mich drauf!

Habt ein zauberhaftes Wochenende!

Mittwoch, 12. Juli 2017

Feministenmonster

Das grüne Herz am rechten Fleck: Mein neuestes Monsterchen ist fertig!

Anfang des Jahres habe ich mich auf Instagram bereit erklärt, bei #freudeschenken 2017 teilzunehmen und im Rahmen dessen fünf weiteren Menschen in diesem Kalenderjahr eine Freude zu machen. Mittlerweile ging das zweite Päckchen auf Reisen - zu Veronika, erneut mit einem revoluzzzionären Monsterchen nach einen kostenlosen Tutorial von Revoluzzza.

Veronika mochte das erste #freudeschenken-Monsterchen und beschreibt sich in ihrer Instagram-Bio als Feministin. Was lag da näher, als mal wieder ein feministisches Monster zu verschicken?


Kämpferisch: Die Rückenverzierung.
Warum eigentlich Feminismus? "Wenn du für Gleichberechtigung bist, warum dann eine Bezeichnung, die Frauen so herausstellt?", hat mich ein Freund mal gefragt - und er ist bei weitem nicht der Einzige, der diese Bezeichnung nicht einleuchtend findet. 
Mir erscheint sie passend, weil es immer noch weiblich konnotierte Eigenschaften und Tätigkeiten sind, die in der Gesellschaft weniger Anerkennung erfahren.

Beispiel gefällig? Dass textile Handarbeiten nicht als Handwerk, sondern als Tüddelkram gelten, entspricht diesem Mechanismus. "Das kann man doch alles kaufen. Was für eine Zeitverschwendung!" höre ich sehr viel häufiger als Argument gegen meine Hobbys als mein Bruder, der gerne an Autos herumschraubt.

Das Ziel kann an der Stelle ja nun nicht sein, die Nase über meinen Werkzeug schwingenden Bruder zu rümpfen, damit wir beide gleich (mies) behandelt werden. Wünschenswert ist in meinen Augen stattdessen, dass weiblich konnotierte Eigenschaften und Tätigkeiten eine Aufwertung erfahren, um sie auf denselben kulturellen Status zu heben, wie ihre männlichen Pendants.

Natürlich ist das bei weitem nicht alles, was man über Feminismus sagen kann. Deswegen schreiben andere ganze Bücher oder Blogs darüber oder nehmen Podcasts dazu auf. Aber dieser Mechanismus ist der Grund, warum ich mich mit dem Begriff des Feminismus identifizieren kann. 

Und damit geht dieses Monsterchen mit erhobener Faust zu Jules Monatssammlung politischer Handarbeiten.

Sonntag, 9. Juli 2017

[Samstagstee] am Sonntag

Samstagstee mit Lektüre und kunterbunten Hexagonen - beides werdet ihr bald wiedersehen.
Hallo ihr Lieben,

long time no see. Dass ich zu Hause kein Internet mehr hatte, hatte ich ja berichtet. Deswegen wollte ich meine Fortbildung in Kulmbach unter anderem nutzen, um im Hotel ein paar Blogposts vorzubereiten. Ich hätte auch Dinge zu erzählen gehabt, zum Beispiel habe ich "Wonder Woman" im Kino gesehen (und fand ihn eher mies), habe einen feministischen Post für Frau Jules Sammlung politischer Handarbeiten zur Hälfte geschrieben und mich riesig über das "Ja!" zur Ehe für alle gefreut...

Aber zur selben Zeit ist eine Frau gestorben, die ich sehr mochte. Hätte ich gewusst, wie wenig Zeit wir haben würden, hätte ich sie öfter getroffen, häufiger Kontakt gehabt, ... So kannte ich sie viel weniger gut, als ich wollte. Aber trotzdem wird sie mir in Erinnerung bleiben als einer der freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe, liebevoll und mit weit offenen Armen - bereit, mich von der ersten Minute an in ihr Herz zu schließen. Sie ist jetzt seit zwei Wochen tot und ich glaube, so richtig ist das immer noch nicht bei mir angekommen.

Aber zumindest habe ich es geschafft, mir wieder Internet zu beschaffen, so dass ich euch in den nächsten Wochen wieder mit Netzfunden, Werkeleien und Buchrezensionen beglücken kann. Es ist schön,wieder hier zu sein und an Andreas Samstagstafel verspätet Platz nehmen zu können.

Habt eine wundervolle Woche - und sagt euren Lieblingsmenschen, dass ihr sie mögt.

Samstag, 24. Juni 2017

[Samstagstee] mit bunten Netzfunden

Archivbild again, ich war diese Woche unterwegs - leider ohne Kamera.
Diese Woche war ich fortbildungsbedingt in Kulmbach, einem fränkischen Städtchen in der Nähe von Bayreuth. Die letzten fünf Tage waren richtig intensiv, ich habe ganz viel gelernt und hoffe, dass mich das alles auch längerfristig weiterbringt. Zu kurz gekommen ist dabei leider das Erkunden der Stadt - außerhalb der Biergärten, Dönerbuden und Restaurants, die ich so in Mittagspausen und an Feierabenden aufgesucht habe. Schade, denn die durch Renaissance und Barock geprägte Innenstadt ist wirklich hübsch und die Plassenburg scheint zumindest von dort aus tatsächlich einen Spaziergang wert zu sein!

Statt spazieren zu gehen, habe ich die viel zu warmen Abende zumindest teilweise im Internet verbracht und dabei einiges aufgestöbert, was ich gerne mit euch teilen möchte und zu diesem Zwecke zu Andrea schubse.

Erinnert ihr euch noch an meine Begeisterung über die kleine Google-Doodle-Maus zum Frühlingsanfang, mit den putzigen Stickereien in ihrer Wohnhöhle? Hier hatte ich darüber geschrieben. Und konnte mich am Mittwoch über eine Fortsetzung freuen: Es gab nämlich auch ein Doodle zum Sommeranfang

So niedlich! Die Google-Doodle-Sommermaus.

Karin von Grüner Nähen - Bunter Leben startet in der nächsten Woche eine Linkparty zum CSD, dem Christopher-Street-Day. Diesen Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag wird überall auf der Welt genutzt, um für Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transpersonen und Intersexuellen zu demonstrieren - für Vielfalt, Toleranz und eine bunte Welt. Deswegen wird es bunt bei Karin - und ich darf am 20. Juli mit einem bereits geplanten Post als Parade-Bloggerin mit dabei sein. Wer euch noch mit ganz viel Farbe erfreuen wird, findet ihr hier heraus.

Auch mit dem nächsten Fund bleibe ich beim Thema: In seiner aktuellen Reihe "Extreme(ly Queer) Muslims" führt Dylan Marron Interviews mit Muslimen, die schwul, lesbisch oder transgender sind - um mit dem Vorurteil aufzuräumen, es handle sich dabei um einen unüberwindbaren Gegensatz. Die Teenvogue hat dafür lobende Worte gefunden und auch mir haben die drei bisherigen Episoden gut gefallen. Wer neugierig geworden ist, kann hier das erste Interview anschauen - oder in Dylan Marrons Youtube-Kanal nach weiteren Videos Ausschau halten.


Danach habe ich noch was Fieses im Kontrast: In der Online-Ausgabe der WAZ wurde am Mittwoch ein Artikel über eine geleakte WhatsApp-Unterhaltung der AfD in Sachsen-Anhalt erschienen, in der unter anderem ein Polizist "Säuberungen" in den Medien nach der "Machtübernahme" fordert. „Unschön gerade im Wahljahr, dass das veröffentlicht worden ist“, wird AfD-Landtagsabgeordneter und Bundestagskandidat Andreas Mrosek aus Dessau im Artikel zitiert. Dass das geleakt wurde, ist nicht mein Problem mit diesen Chat-Nachrichten, echt nicht.

Damit ich euch nicht mit sowas ins Wochenende entlasse, hier noch eine Idee, wie man die Welt vielleicht zu einem freundlicheren Ort machen könnte: Die HNO-Klinik in Hannover sucht  Menschen, die Lust haben, kleine Häkelschnecken zu fertigen. Die sind als Geschenk gedacht für Kinder, die ein Cochlea-Implantat bekommen. Mehr Infos und einen Link zum Anleitungs-PDF findet ihr hier.

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende. Genießt es, was auch immer ihr tut!

Mittwoch, 21. Juni 2017

[Rezension] Ink


Metallisch schimmernder Einband? HervorragendeBeute für meine innere Buch-Elster!
In der vorletzten Ecke des Untergeschosses von All Amounts of Books (Soho, London), wo der Fußboden zittert, wenn die Tube darunter hindurch fährt und wo alle Bücher nur ein Pfund kosteten, schimmerte es mir aus einem Regal entgegen. Metallisch kupfern, mit stilisiertem Vogelmuster hat mich "Ink" von Alice Broadway direkt angezogen. Weil es sich um ein unkorrigiertes Rezensionsexemplar handelte, stand nicht einmal eine Inhaltsangabe hinten drauf. Trotzdem habe ich es mitgenommen und bin bereits auf der Heimreise nach Stuttgart tief in die Welt eingetaucht, die sich rund um die Hauptperson Leora entfaltet.

In der dargestellten Gesellschaft werden alle wichtigen Ereignisse im Leben der Menschen auf deren Haut tätowiert. Durch Blut, Schmerz und Tinte wird so den Mitmenschen offen gelegt, wer man ist - und das vom zweiten Tag des Lebens an. Die Tattoos sind sogar über den Tod hinaus so wichtig, dass Verstorbene gehäutet, die Tattoos zu einem Buch gebunden und in der Familie durch die Generationen weitergereicht werden. So bewahrt man die Ahnen vor dem Vergessen - dem schlimmsten, was mit einem Menschen geschehen könnte. Entsprechend ist die Verbrennung des eigenen Hautbuchs die höchste Strafe überhaupt, zu der ein Mensch verurteilt werden kann.
Die Körperkunst ist so zentral für das Selbstverständnis, dass untätowierten Menschen Hass entgegen schlägt: Ihre Weigerung, ihr Selbst nach außen zu kehren, wird als potenziell kriminell motivierte Heimlichtuerei empfunden - und mit einer Gewalt bekämpft, die noch vor Leoras Geburt in Zwangsumsiedlungen (und vermutlich weit Schlimmerem) mündete. Dieser Hass wird zum Zeitpunkt der Erzählung von einem neuen Präsidenten erneut geschürt, dessen Agenda mit "Make Tattoos great again!" gut beschrieben wäre.

In dieser Gesellschaft sucht Leora mit 16 Jahren gerade ihren Platz, als sie erfährt, dass ausgerechnet ihr kürzlich verstorbener Vater "vergessen" werden, das Buch aus seiner Haut also verbrannt werden soll. Das stellt ihr Leben komplett auf den Kopf und lässt sie an allem zweifeln, was sie bisher für selbstverständlich gehalten hat.

So ein hübsches Buch kann ich unter keinen Umständen liegen lassen. Erst recht nicht, wenn es nur ein Pfund kostet.

Nachdenklich ist Leora, ein bisschen grüblerisch. Ein Mädchen, das lieber hinter Büchern verschwindet, als mit Klassenkameraden Party zu machen. Mit einer mir aus meiner eigenen Pubertät durchaus vertrauten Akribie untersucht sie die neuesten Dehnungsstreifen und würde ihren Körper lieber verstecken als ihn der Welt so offenherzig zu präsentieren, wie es üblich ist. Meinem jugendlichen Ich hätte Leora eine ziemlich gute Identifikationsfläche geboten.

Trotzdem war ich am Ende nicht rundum beglückt und das liegt nicht nur daran, dass ich mittlerweile älter bin und meine Dehnungsstreifen längst als vorhanden akzeptiert habe. Besonders gestört hat mich, dass im ersten Teil des Buches Schlussfolgerungen für meinen Geschmack nur sehr langsam gezogen werden - Puzzleteile werden ausgeworfen und liegen dann gefühlt ewig direkt nebeneinander, ohne offiziell zusammengesetzt zu werden. Irgendwann verkehrt sich dieses Tempo dann auch noch ins Gegenteil. Im letzten Viertel des Buches findet eine derart massive Charakterentwicklung statt, die ich einem so nachdenklichen Charakter wie Leora in einer so kurzen Zeitspanne schlicht nicht abnehme. Allerdings muss ich an dieser Stelle der Autorin auch zugestehen: Es ist ihr erster Roman - da kann und muss man noch nicht alles richtig machen, finde ich.
Rein persönlicher Geschmack ist die Sprache. Diese war mir etwas zu schlicht, zu wenig poetisch. Mich hat sie entfernt an "Hunger Games" erinnert, das mich nicht zuletzt aufgrund des sprachlichen Stils nicht überzeugt hatte (weshalb ich nur den ersten Band kenne).

Überhaupt hat sich mir der Vergleich zur ebenfalls dystopischen "Hunger Games"-Reihe von Suzanne Collins aufgedrängt. "Ink" ist allerdings (zumindest im ersten Band) trotz aller abgeschälter Haut und latent faschistoider Gesellschaft wesentlich unblutiger, zarter in der Darstellung von direkter Gewalt. Und obwohl in beiden Fällen viel über Kleidung gesprochen wird - die Klamotten in "Ink" sind nicht so pompös. Was deutlich stärker herausgearbeitet wird und was mir unheimlich gut gefallen hat, sind die Folklore und die Darstellung der Gesellschaftsordnung von Leoras Welt. Diese Aspekte hatten mir bei den "Hunger Games" massiv gefehlt, denn ich lege sehr viel Wert darauf, einiges über die dargestellte Welt zu erfahren. Dass diese in "Ink" so intensiv erfahrbar gemacht wird, ist auch der Grund, warum ich die folgenden beiden Bände vermutlich lesen werde - und sie Fans von "Hunger Games", dystopischen Jugendromanen und Tattoos durchaus ans Herz legen möchte.