Samstag, 20. Januar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Tee zum Frühstück ist immer eine gute Idee.
Hallo ihr Lieben!
Wie war eure Woche? Meine war voller gepackter Kisten, Tüten, Koffer - und einer Menge unerwarteter Krempel in irgendwelchen Schränken. Puh! Wenn mein Bruder morgen kommt, um mir mir den Möbeln zu helfen, soll alles andere verpackt sein. Ein bisschen gibt es da noch für mich zu tun, daher werde ich mich gleich wieder auf die Arbeit stürzen. Aber vorher habe ich noch ein paar Netzfunde für euch:

Catcontent ist wichtig für die Seele: Die neu entdeckte Rusty Spotted Cat aus Sri Lanka ist zum Sterben niedlich. Guckt euch unbedingt den BBC-Trailer an (die zugehörige Doku ist noch bis Ende des Monats verfügbar!).

Vor nicht allzu langer Zeit hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es in Zukunft möglich sein soll, ein neues, drittes Geschlecht im Geburtenregister eintragen zu lassen. Dazu gibt es im Deutschlandfunk einen Beitrag, in dem direkt und indirekt Betroffene sowie eine Sexualwissenschaftlerin interviewt werden. Besonders berührend fand ich die Geschichte von Lucie Veith, Gründungsmitglied des bundesweiten Vereins Intersexuelle Menschen .e.V. Als sie mit 23 Jahren von ihrer Intersexualität erfuhr, war sie bereits mit ihrem Mann verheiratet. Er sagte ihr, "dass er genau diesen Körper und diesen Menschen und diese Seele, die in mir lebt, liebt. Dass ich genau die Person bin, die er begehrt und dass er daran nichts ändern möchte." Heute sind sie seit über 40 Jahren verheiratet. 

Über Pimmelwitze hat Margarete Stockowski in ihrer Kolumne schon in der letzten Woche geschrieben, aber mir ist der Text erst jetzt über den Weg gelaufen. "Männerkörper bleiben oft unsichtbar [...]: Sie scheinen nicht der Rede wert, außer da, wo man ihnen Schwäche andichten möchte"- nämlich mit der Unterstellung, sie hätten einen kleinen Penis. Dafür nennt die Kolumnistin diverse Beispiele, darunter natürlich auch den US-amerikanischen Präsidenten. Ganz ehrlich? Es gibt so vieles an diesem Mann zu kritisieren, die Größe seiner Genitalien kann man da gut aus dem Spiel lassen.

Im Rahmen der #metoo-Diskussion haben Catherine Deneuve und andere berühmte Frauen einen offenen Brief unterzeichnet, indem sie die Debatte mit den Worten diskreditieren, die Freiheit jemandem lästig zu werden gehöre zum Miteinander der Geschlechter unbedingt dazu, um nicht in einer totalitären Gesellschaft zu enden. Mittlerweile gab es dazu auch eine Nicht-Entschuldigung, aber eben auch die eine oder andere kritische Antwort. Die bei bento fand ich gut. In einem Punkt widerspricht Birte Vogel in diesem Post auf thea: Sie vertritt die Ansicht, dass die unterzeichnenden Frauen in den gegebenen Strukturen einfach so lange profitiert haben, dass sie sie "womöglich auch annehmen, ihr Marktwert würde ins Bodenlose sinken, wenn sie nun dafür wären, Täter zur Rechenschaft zu ziehen." Traurige Vorstellung. Darüber hinaus beantwortet der Post außerdem die Frage, warum so viele Frauen sich erst jetzt, als unter Umständen nach vielen Jahren, zu Wort melden. Damit ist er vielleicht eine ganz gute Grundlage für eine der ermüdenden Diskussionen, in denen den Betroffenen eine (Mit-)Schuld gegeben wird.

Bevor ich mich nun wieder über Kisten beuge, schubse ich diesen Post rüber zu Andreas Samstagsplausch. Nachher mache ich dann eine Runde durch eure Blogs, um nachzuschauen wie eure Woche so war.

Habt ein wunderschönes Wochenende!


Samstag, 13. Januar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Großartige Tasse ist großartig.
Hallo ihr Lieben,

meine letzte Arbeitswoche liegt hinter mir. So richtig angekommen, ist diese Erkenntnis noch nicht. Als ich gestern Abend noch mit ein paar Lieblingskolleginnen zusammensaß, fühlte ich mich jedenfalls eindeutig so, als würde ich am Montag wieder ganz normal hingehen. Deswegen gibt es heute auch ein Büroselfie mit der besten Tasse, die dort im Schrank aufzutreiben war.
Beim Abschiedsfrühstück flossen tatsächlich einige Tränen - nicht nur mein eigenes Team stand zum Feiern bereit, sondern auch mehrere Menschen aus anderen Abteilungen. Sehr rührend. Abschiedskarten sind eine noch rührendere Sache, die zumindest bei mir alle Schleußen öffnen. Meine Abschiedsrunde hat dann auch über eine Stunde gedauert - eine Menge Menschen musste umarmt werden. Jetzt hoffe ich, nicht zu viele Bazillen verteilt zu haben, denn kaum starte ich ins Wochenende, lässt sich eine die typische Urlaubsstart-Erkältung nicht mehr verbergen. Das Blöde daran: Am Wochenende muss ich noch mehrere Wohnungsbesichtigungen abhalten, denn die Suche nach der Nachmieterin wird langsam dringender.

Netzfunde gibt es diese Woche trotz Abschiedstaumel auch wieder: Über Dobrindts Aufruf zu einer konservativen Revolution habe ich hier schon berichtet. Natürlich gab es auch Anfang dieser Woche noch ein entsprechendes Medienecho. Besonders lesenswert fand ich dabei diesen offenen Brief von Gisa Bodenstein im Humanistischen Pressedienst. Darin geht es um die CSU als selbsterklärtes Bindeglied zwischen Christen und Konfessionslosen, um Selbstbestimmung und Menschenrechte. Und natürlich um Patriotismus. Vom vielen Nicken wurde mir ganz schwindelig. 

Ein Produktfoto von H&M hat es in dieser Woche geschafft, gleich auf diversen Wegen in meine Feeds gespült zu werden. Den Pulli mit der Aufschrift "Coolest Monkey in the Jungle" an einem schwarzen Kind zu präsentieren wurde vielfach als rassistisch kritisiert. Selbstverständlich nicht ohne, dass andere Leute "Stellt euch doch nicht so an!", "Wenn ihr da gleich Rassismus seht, habt einfach ihr rassistische Bilder im Kopf!" und ähnliches krakeelten. Diesen Stimmen und insbesondere einem Kommentar auf welt.de tritt BILDblog hier entgegen: Diese Argumentation sei "ein Freibrief für den täglichen Rassismus, weil er die, die sich gegen ihn wehren, zu Simulanten erklärt."


Gern gelesen habe ich auch Eda Lindgrens Absage an die ständige Selbstoptimierungsrhetorik zum Jahresbeginn. Ihre Vorsätze für 2018: "Zufrieden sein, mit dem was ich habe. Öfter Pommes essen. Und rumliegen. Definitiv mehr rumliegen."

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein zufriedenes, leckeres und entspanntes Wochenende! Ich hüpfe mit meinem Beitrag jetzt noch rüber zu Andrea und mache es mir dann erstmal mit einem Buch gemütlich.


Dienstag, 9. Januar 2018

[Tell a Story] Meine Stadt

Der Stuttgarter Fernsehturm, Wahrzeichen meiner Heimatstadt, von oben betrachtet.
 Emma von Frühstück bei Emma hat sich für 2018 eine neue Linkparty ausgedacht: Unter dem Motto Tell a Story sammelt sie jeden Dienstag Fotos (und Worte) zu einem bestimmten Thema. Heute macht sie mit "Deine Stadt" den Anfang - und ich bin dabei. Vermutlich nicht jede Woche, vermutlich nicht zu jedem Thema. Aber mit dem Umzug vor Augen ist mir die Heimatstadt doch sehr präsent. Es ist Zeit für einen Liebesbrief.

Liebes Stuttgart,

du warst für mich immer die Stadt, die ich ohne mit der Wimper zu zucken zurücklassen konnte. Ohne auch nur einmal über die Schulter zu gucken bin ich nach Bamberg und nach Turku, Finnland, gezogen. Ich bin davon ausgegangen, dass das bei meinem Umzug nach Berlin einmal mehr so sein würde - vor allem, weil ich dieses Mal nicht ins Unbekannte, sondern zum Lieblingsmenschen ziehe und die Vorfreude so groß ist, dass ich manchmal zu platzen fürchte. 

Aber plötzlich stelle ich fest: Du hast dich in den vergangenen beiden Jahren in mein Herz geschlichen, es gefüllt mit Erinnerungen an Abende in der Sneak Preview, an akribisch gezählte Centmünzen vor dem Palast der Republik, an Gespräche morgens um vier, nach denen man einander plötzlich viel besser kennt. Gerade in den letzten Monaten hast du mir Menschen in die Arme geschubst, von denen ich monatelang gar nicht bemerkt hatte, dass da Freundschaften möglich wären. Ich bin dankbar für diese teils wenigen Wochen, auch wenn der eine oder andere Abschied sicher weh tun wird.

Ich werde dich mit einem weinenden Auge verlassen, Stuttgart, und mich unterwegs wahrscheinlich mehr als einmal nach dir umdrehen. Du warst mir ein gutes Zuhause. Und vielleicht werde ich dich sogar dann und wann ein bisschen vermissen.

Aber ich verspreche dir, dass ich dich besuchen komme. Auf ein Bier am Palast, auf einen Döner morgens um vier.

Die, die auf gepackten Koffern sitzt

Samstag, 6. Januar 2018

[Samstagstee] mit Netzfunden

Tee und schlechte Wortwitze zum Frühstück: immer gut.

Hallo ihr Lieben!

Seid ihr alle gut in 2018 angekommen? Ich habe den Jahreswechsel sehr gemütlich in Berlin verbracht und dort mein neues Zuhause vorbereitet - noch ein IKEA-Besuch, Möbel schrauben, Klamotten aufhängen, Regaleinrichtung überlegen. Der Januar stand vom ersten Tag an im Zweichen des Um- und Aufbruchs. Im Büro bin ich auch schon dabei, die Übergabe vorzubereiten und die laufenden Projekte so weit wie möglich voranzubringen. Nur noch fünf Arbeitstage, dann räume ich diesen Schreibtisch - ein seltsames Gefühl. Im Moment verbringe ich viel Zeit damit, mich "ein letztes Mal" für Mittagspausen zu verabreden. Nächsten Samstag kann ich euch dann wohl berichten, ob und wie viele Tränen ich beim Abschied vergossen habe (von den Kolleginnen, nicht vom Schreibtisch).

Weil ich so mit meinem eigenen Umbruch beschäftigt war, hätte ich fast verpasst, dass auch CSU-Politiker Dobrindt einen wünscht: In der Welt forderte er eine "konservative Revolution". Das klingt für mich nach einem mythischen Wesen aus dem Reich der Oxymora - und auch Marietta Slomka zeigt sich in diesem Interview in ZDF heute sehr irritiert: "Revolution ist nicht nur "Wir wollen wieder ein bisschen bürgerlicher werden", Revolution ist Aufstand, Systemveränderung, radikaler Wandel. Sind Sie sicher, dass das deutsche Bürgertum eine Revolution möchte? [...] Revolution ist per Definiton ein radikaler Umwechsel, ein Sturz." Nach diesem Interview habe ich einen guten Vorsatz für 2018: Ein bisschen mehr wie Marietta Slomka sein, ein bisschen häufiger Contra geben und widersprechen und weniger Dinge abnicken.

Da Alexander Dobrindt im Interview kaum Substanzielles sagt, wusste ich anschließend nichts mehr, als dass unsere Definitionen von "Revolution" auseinandergehen. Gleichzeitig habe ich aus verschiedenen Gründen keinerlei Lust, mir ein WELTonline-Abo zu besorgen, um den Ursprungstext zu lesen. Nicht mal auf Probe. Zum Glück hat Stand up-Comedian Markus Barth das für mich getan und den Text in diesem Blogpost auseinander genommen. Sein Ergebnis: "[...] man braucht das Gegenteil einer bürgerlich-konservativen Wende" - nämlich unter anderem Offenheit und Kompromissbereitschaft, um ein gutes Zusammenleben aller Menschen zu ermöglichen.

Während Markus Barth insgesamt einen versöhnlichen Ton anschlägt, ist Robin Detje auf ZEIT online eher gepflegt der Arsch geplatzt.  Lust auf eloquenten Rage-Mode? Dann bitte hier entlang. Ich weiß nämlich nicht, welchen Satz ich daraus zitieren soll, da ich nahezu jeden einzelnen davon küssen möchte. 


Mit diesen Links schaue ich bei Andrea zum Samstagsplausch vorbei, bevor ich mich daran mache, die Wohnung zu schrubben. Am Dienstag kommt meine Friseurin vorbei, die eventuell gerne meine Nachmieterin sein möchte. Ich bin gespannt!

Habt ein wunderschönes Wochenende!

Donnerstag, 4. Januar 2018

[3 of a Kind] Musikalischer Jahresrückblick

Verstörendes Ergebnis meines Spotify-Jahresrückblicks. Wann soll ich denn so viel Bibi Blocksberg gehört haben?

Seid ihr alle gut ins neue Jahr gekommen? Ein erster Grund zur Freude war für mich, dass sich Sas von sas.verse dazu entschieden hat, ihre 3 of a Kind-Linkparty nicht einzustampfen. Allerdings stellt sie diese 2018 komplett unter ein Motto: Musik - mal sehen, wie oft mir dazu etwas einfällt. Die Januar-Aufgabe ist noch verhältnismäßig einfach, Sas möchte nämlich wissen, was bei uns in musikalischer Hinsicht im vergangenen Jahr so passiert ist. 

Hörverhalten
Zuerst muss ich ein Geständnis machen - ich höre eigentlich gar nicht so viel Musik. Spotify verzeichnet für das vergangene Jahr gerade mal 177 gehörte Stunden und vermutlich gehen davon die meisten für irgendwelche Podcasts drauf. Von den angeblichen 100 Songs, die mein Jahr bestimmt haben sollen, kenn ich nämlich ein paar meiner Meinung nach gar nicht (und die Podcasts hat der Jahresrückblick einfach unterschlagen - dabei laufen die auch in der Gratisversion ohne Werbeunterbrechung, was sie für mich sehr attraktiv macht!).

Da auf Spotify manche Bands ja gar nicht zu finden sind, höre ich auch gerne über Bandcamp. Oder krame CDs aus meinem Schrank - davon habe ich 2017 doch auch wieder einige gekauft. Nämlich auf...

Konzerten und Festivals
In Sachen Livemusik war 2017 definitiv ein gutes Jahr. Im letzten Jahr war ich auf drei Festivals: dem Prophecy Fest, das mir vor allem wegen der geilen Location, der größten Kulturhöhle Europas, in Erinnerung geblieben ist, dem Summer Breeze und schließlich dem Gloomaar Festival. Letzteres hat mich mit Abstand am meisten überzeugt. Sound und Licht waren an diesem Abend überragend, die Bands fand ich durch die Bank gut bis überragend. Dass ich dieses Jahr unbedingt wieder hin will, stand schon fest, bevor ich wieder im Auto saß. Pluspunkte gibt's außerdem dafür, dass der Parkplatz sowie ein Einkaufszentrum direkt daneben sind, so dass sowohl Anreise als auch Versorgung sehr angenehm waren.

Bei den Einzelkonzerten muss ich gestehen, dass ich mich gar nicht mehr an alle erinnern kann, beziehungsweise sie nicht zweifelsfrei dem letzten Jahr zuordnen kann. Aber Alcest und Anathema waren großartig und bei Amanda Palmer habe ich vor lauter Begeisterung mehrmals angefangen zu heulen. Much intense.

Neuentdeckung des Jahres
Diese verdanke ich dem Prophecy Fest in Balve. Dool haben mich da nämlich einfach mal gepflegt vom Hocker gerissen. Eingeordnet werden die Niederländer laut Wikipedia irgendwo zwischen Porgressive Rock und Doom Metal mit Einflüssen aus Psychedelic Rock und Gothic Rock. Hörprobe gefällig?



Nachdem ich mich also im Sommer Hals über Kopf verliebt habe, wundert es wahrscheinlich niemanden, dass mein erstes geplantes Konzert in diesem Jahr tatsächlich Dool sein wird. Ich freu mich riesig darauf!

Was habt ihr 2017 so gehört?



Donnerstag, 28. Dezember 2017

Fuck Gender Norms

Schon länger wollte ich mal ein revoluzzzionäres Häschen nähen. Endlich findet es seinen Weg hierher.
Jeden Monat sammelt Jule unter dem Titel "Politisiert euch!" Handarbeiten, die nicht einfach nur hübsch, sondern eben auch politisch sind. Hier könnt ihr die Ergebnissevom November sehen. Im Dezember bin ich endlich auch wieder dabei - auf den allerletzten Drücker. Zeit wird's definitiv mal wieder!

Schon im Herbst ist mir nämlich dieses schlafende Häschen von der Nadel gehüpft. Wie es in seinem Schlummer trotzdem politisch sein kann? Das seht ihr, wenn es sich im Traum auf den Bauch dreht:

Fuck Gender Norms. Das Häschen zeigt auch im Schlaf noch den Mittelfinger.
Da drücke sich das Häschen aber nicht so fein aus, meint ihr? Ich glaube, es hat sein Näschen einfach gestrichen voll davon, dass es immer wieder von fremden Leuten gesagt bekommt, dass es sicher ein Mädchen sei. Denn jedes Mädchen - und bitteschön ausschließlich diese - liebe ja pink. Pinke Jungshäschen könne es also einfach nicht geben. Es sei allerdings erstaunlich, dass es nicht glitzere - so als Mädchen liege es ihm doch quasi in den Genen, dass es auf alles anspringe, was glitzere. Außerdem möge es bitte nicht immer so wild umherspringen - Mädchen seien schließlich brav. Mehr so niedlich-kreativ und fürsorglich. Von all diesen Erwartungen ist das kleine Häschen so müde geworden, dass es eingeschlafen ist.

Das Häschen ist so müde von all den Leuten, die ihm sagen, wie es sein soll. Wovon es wohl träumt?
Ich sag euch was: Das Häschen mag seinen pinken Pelz wirklich gern. Genauso gerne brüllt es auch wie ein gefährlicher Tiger und flitzt blitzschnell durch den Wald. Danach blättert es in seiner Häschenhöhle am liebsten in Bilderbüchern voller mutiger Polizistinnen und freundlichen Krankenpflegern, feuerspeienden Drachen und magischen Meerjungfrauen. Oder es baut so hohe Bauklötzchentürme, dass es die obersten Teile nur noch mit seinen langen Ohren zurechtrücken kann. Manchmal zieht es seinen kleinen Häschenpuppen auch Kleider an, die es selbstgemacht hat. Und mit seinen Freunden spielt es Fußball vor der Höhle - der Haselnussstrauch ist immer ihr Tor. Es gibt so vieles, was das Häschen mag und gerne macht - aber das würde alles noch viel mehr Spaß machen, wenn es dafür nicht immer mit hochgezogenen Augenbrauen angeschaut würde. Das wäre dann auch nicht so ermüdend, dass es hier am hellichten Tag schlummern muss.

Es wäre so viel einfacher, ein Häschen zu sein, wenn einem nicht alle hineinreden würden.
Ich würde mich - für das Häschen und alle anderen - wirklich freuen, wenn in unserer Gesellschaft nicht überall unübersehbar "Für echte Frauen", "Für harte Männer", "Für süße Prinzessinnen" oder "Für kleine Piraten" oder ähnlicher Scheiß draufkleben würde. Wenn kleine Jungs unbehelligt mit Puppen spielen dürften und kleine Mädchen nicht dafür ausgelacht würden, lieber Huckleberry Finn als Wendy zu lesen. Wenn jede und jeder einfach tun und mögen dürfte, was ihr und ihm am liebsten ist - ohne dass geguckt wird, ob man da die angeblich richtige Schublade gegriffen hat. Weil die Welt zu bunt ist für Normativität, wie Jule kürzlich geschrieben hat (auch wenn es ihr da gar nicht in erster Linie um Geschlechternormen ging).


Dienstag, 26. Dezember 2017

[3 of a Kind] Dinge, die ich an mir mag

Drei Dinge, die ich an mir mag. Die blonden Haare hab ich nicht mehr, die mochte ich aber auch.
Im Dezember möchte Sas gerne drei Dinge von uns erfahren, die wir an uns selbst mögen. Es ist eventuell der letzte Aufruf in dieser Reihe, da Sas mindestens pausieren, wenn nicht sogar aufhören möchte, monatlich drei Dinge zu sammeln - aber dafür hat sie ein wunderschönes Motto für den Dezember gewählt. Mein Eindruck ist, dass viele Menschen sehr genau wissen, was sie an sich selbst stört - mich selbst möchte ich da gar nicht ausnehmen. Da schadet es keinesfalls, mal mit  Wohlwollen auf die eigenen Stärken zu schauen.

Ich schätze das Durchhaltevermögen, mit dem ich auch langwierige Projekte durchziehe und vollende. Manchmal mit Pausen, ab und zu mit zusammengebissenen Zähnen. Aber mit dem Ziel immer vor Augen - und irgendwann in der Hand. Oder eben auch im Bett, wenn wir von einem Hexagonquilt sprechen.

Ich mag meine Freude an Sprache, an Wortbildern und Vergleichen. Ich liebe es, wenn beim Sprehen oder Schreiben in meinem Kopf Bilder und Satzfragmente aufploppen, wenn ich zu Beginn des Satzes nur grob weiß, wohin ich damit möchte und auf halbem Wege die nächsten Worte irgendwo in meinem Kopf Worte verschlafen die Augen öffnen, sich umgucken und dann aufgeregt auf und ab hüpfen. Genau so fühlt es sich an, wenn ich Sätze bastle. Derselbe Teil meines Kopfes sprüht Herzchen, wenn er in den Texten anderer Leute auf besonders schöne Sätze trifft. Und ja, manchmal hab ich mich auch schon in die Eloquenz von Chatnachrichten verliebt.

Über den dritten Punkt hab ich ein Weilchen nachgedacht. Es ist mir schwer gefallen, mich für diesen zu entscheiden: Ich mag meinen Körper. Es fühlt sich seltsam an, das zu schreiben - aus verschiedenen Gründen. Zum einen, weil ich das Gefühl habe, das sei total oberflächlich und es seien doch bitteschön die inneren Werte, die zählen und ich sollte hier doch bitteschön voll deepen Shit präsentieren. Zum anderen aber auch, weil es mir angesichts all der Diätgespräche und der glattgebügelten Modelfotos um mich herum manchmal gar nicht so leicht fällt, mich selbst anzuschauen und gut zu finden. Dabei kann mein Körper so viele wunderbare Dinge: im Wald spazieren gehen, durch die Nacht tanzen, einen tollen Menschen umarmen, laut lachen und sich Geschichten ausdenken...Und ja, meistens gucke ich ihn (oder vielmehr: mich!) auch gerne an.

Was mögt ihr an euch selbst? Sas' Linkparty ist noch bis Silvester offen. Oder ihr verratet es mir einfach in den Kommentaren.

Samstag, 23. Dezember 2017

[Samstagstee] mit Netzfunden

Prost! Das Weihnachtswochenende beginnt mit einer großen Tasse Tee. Ich bevorzuge ja kleine Eimer.
Hallo ihr Lieben!

Bei mir ist nach wie vor keine Weihnachtsstimmung aufgekommen. Das ist aber jedes Jahr so, daher versetzt es mich nicht allzu sehr in Aufregung. Ich freu mich einfach auf Feiertage, die ich nicht zuletzt nutzen werde, um Zeugs für Berlin zu packen (und mir zu überlegen, was ich eigentlich in den nächsten Wochen noch unbedingt hier in Stuttgart brauche...). Die Zeit rast momentan noch schneller als gewöhnlich, bei den ersten Kolleginnen stelle ich fest, dass ich sie dank Weihnachtsurlaub nur noch wenige Tage zu Gesicht bekommen werde - erster Wehmut macht sich momenteweise breit. Gleichzeitig gibt es noch so viel zu tun und zu organisieren und so viele vorfreudige Gedanken über die Neuwohnungseinrichtung, dass ich emotional ganz durcheinandergewirbelt bin.

Obwohl diese Woche gefühlt in dreifacher Geschwindigkeit an mir vorüber gesaust ist, habe ich trotzdem ein paar gute Sachen im Internet gefunden. Gerührt hat mich heute Morgen dieses achtminütige Video über Transgender-Kinder und ihre Eltern, die über Ängste und Konflikte, aber auch über Liebe und Akzeptanz sprechen.

In der Weihnachtsepisode des Lila Podcasts sprechen Katrin Rönicke und Julia Korbik über deren neues Buch "Oh, Simone! Warum wie Beauvoir wiederentdecken sollten". "Ich liebe das Leben so sehr und verabscheue den Gedanken, eines Tages sterben zu müssen. Und außerdem bin ich schrecklich gierig; ich möchte vom Leben alles, ich möchte eine Frau, aber auch ein Mann sein, viele Freunde haben und allein sein, viel arbeiten und gute Bücher schreiben, aber auch reisen und mich vergnügen, egostisch und nicht egoistisch sein...", liest Katrin Rönicke vor und ich bin hin und weg. Ich liebe es ja, Menschen dabei zuzuhören, wie sie begeistert von einem Thema sprechen. Dank Julia Korbiks Begeisterung ist ihr Buch direkt auf meinen Lesewunschzettel gewandert, wo auch schon "Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene" steht. Wem das auch so geht, für den gibt's in der Podcast-Episode auch noch eine Verlosung des Buchs.

Auf http://www.nichts-gegen-juden.de/ finden sich Argumente und Diskussionshilfen gegen antisemitische Aussagen, darunter den Klassiker "Man darf ja nichts sagen, sonst ist man gleich Antisemit." Ich finde solche Sammlungen immer extrem hilfreich, weil ich in solchen Diskussionen gerade online gerne nochmal irgendwo nachschauen gehen würde. Am liebsten hätte ich solche Sammlungen auch noch für Fremdenhass, Antifeminismus und diverse andere Formen von menschengruppenbezogenem Hass. Wenn mal wieder der Kopf brennt und ich um vollständige, grammatikalisch korrekte und argumentativ vollwertige Sätze kämpfe.


Da Weihnachten traditionell einen Anstieg in Sachen häuslicher Gewalt zu verzeichnen hat, hat die *innenAnsicht hier eine Liste zusammengestellt, wohin sich Betroffene im Notfall wenden können. Kann man gar nicht oft genug anbringen, finde ich.

Zu Andreas ganz und gar friedlicher Plauschrunde setze ich mich jetzt dazu und gucke, wie es euch in dieser Woche so ergangen ist.



Ich wünsche euch allen - ob ihr feiert oder nicht - friedliche und entspannte Feiertage!

Sonntag, 17. Dezember 2017

[Sonntagstee] mit Netzfunden


Art Night bei der Weihnachtsfeier - mit spontaner Frida Kahlo-Malerei.
Hallo ihr Lieben!

Hattet ihr eine schöne Woche? Besonders toll war bei mir der Freitagabend. Als Weihnachtsfeier haben uns meine Chefinnen mit einer Art Night überrascht. Ausgewähltes Thema war Banksy, aber der Flyer an meinem Platz hat mich auf eine andere Idee gebracht und so habe ich die nächsten zwei Stunden mit Frida Kahlo verbracht. Besonders die Schattierungen haben riesigen Spaß gemacht und ich glaube, ich muss dringend wieder häufiger zeichnen und malen...

Im Internet habe ich mich diese Woche aber auch herumgetrieben und habe wieder einige Netzfunde für euch zusammengetragen.

Hörenswert fand ich diese Episode des Eigenstimmig-Podcasts. Darin wird Isabelle Klempfs Mannheimer Laden "umgekrempelt" vorgestellt, wo sie faire Kleidung verkauft und Workshops zum Nähen und Upcycling anbietet. Politisches Selbermachen ftw!

Berührt hat mich dieser Bericht einer christlichen Ärztin in den USA, die darüber schreibt, dass sie gerade wegen ihres Glaubens Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Sie sieht es als ihre christliche Pflicht an, Menschen in Notsituationen zu helfen  "[...] und ich glaube, dass es das Wichtigste ist, was ich jemals getan haben werde."

Kasia Babis hat mich mit "A Recipe for Disaster" gleichermaßen zum Grinsen und Seufzen gebracht. These des Comics: Wer Männern* und Frauen* von klein an ganz unterschiedliche Rollen, Interessen und Handlungsweisen aufzwingt, muss sich nicht wundern, wenn erwachsene Menschen Verständnisprobleme haben.

Mit diesen Funden hopse ich jetzt rüber zu Andreas Samstagsplausch und schaue nach, was ihr so die Woche über getrieben habt.

Habt noch ein schönes Restwochenende und kommt gut in die neue Woche!

Dienstag, 12. Dezember 2017

[Rezension] The Slow Regard of Silent Things

"The Slow Regard of Silent Thing" von Patrick Rothfuss

"The Slow Regard of Silent Things" ist eine kurze Geschichte, die Teil der "Kingkiller Chronicles" von Patrick Rothfuss ist - eine Trilogie, von der derzeit zwei Bände veröffentlicht sind. Die Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf den dritten Band um Kvothe, der in einer Spielmannsfamilie aufwächst, dann einige Jahre als Straßenkind verbringt und schließlich auf einer legendären Universität zum größten Magier aller Zeiten wird. (Da ich beide Bücher erst in der deutschen Hörbuchvariante kenne, findet sich in diesem Blog noch keine Rezension - zu verfälscht ist mir die Geschichte durch die doppelte Interpretation.)

"The Slow Regard of Silent Things" ist nicht lang, gerade mal 80 Seiten. Was darin passiert, ist schwer zu sagen - nicht zuletzt, weil man die ersten beiden Romane kennen muss, um sich überhaupt zurecht zu finden. Gezeigt wird das Leben der Nebenfigur Auri, die allein in den verschlungenen Gängen und Kammern tief unter der Universität lebt, das sie das im englischen Original das "Underthing" nennt. Gezeigt ist dabei durchaus auch wörtlich zu nehmen, denn "The Slow Regard of Silent Things" ist üppig illustriert mit filigranen Zeichnungen von Nate Taylor.
 Über sieben Tage hinweg begleitet man Auri auf ihren täglichen Wegen und bei ihren Aktivitäten. Beispielsweise macht sie Seife oder bemüht sich, den richtigen Platz für Fundstücke zu finden. Das klingt nicht nach einem "richtigen" Plot mit irgendeinem zu lösenden Konflikt? Ist es auch nicht. Im Prinzip ist es die Charakterstudie einer Figur, die von vielen Fans geliebt wird, stellenweise poetisch, mit traumhafter Atmosphäre und genauso seltsam wie ihre Hauptperson, sie sich irgendwo zwischen Abflussrohren herumschlängelt und darüber nachdenkt, wo sich ein beschädigtes Zahnrad wohlfühlen könnte.

Man folgt Auri, bekannt aus "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear", in ihr unterirdisches Reich.
Mich hat zu keinem Zeitpunkt gestört, dass das Buch seltsam ist. Das ist stimmig. Was mich stört, ist, wie wiederholt und energisch in Vor- und Nachwort darauf hingewiesen wird, dass dieses Buch seltsam ist. Als hätten die Lesenden nicht selbst die Möglichkeit, das auf 80 Seiten zu bemerken. Es ist in meinen Augen absolut unnötig, dass Patrick Rothfuss insgesamt viermal erwähnt, dass er auch nach zigfachen Korrekturdurchläufen und Dutzenden Beta-Lesenden unsicher war, ob "The Slow Regard of Silent Things" wirklich veröffentlicht werden sollte. Dieses Verhalten erinnert mich an eine Person, die eine Kontaktanzeige in der Lokalzeitung aufgibt und darauf hinweist, dass sie "ein bisschen verrückt, hihi" ist.

Meine Empfehlung: Lest das Buch, wenn ihr "The Name of the Wind" und "A Wise Man's Fear" mochtet. Aber lasst Vor- und Nachwort weg. Sie nerven. Und haben zumindest meine Augen so in den Hinterkopf gedreht, dass ich Auris Geschichte beinahe nicht zu Gesicht bekommen hätte.

Besonders begeistert haben mich die verträumten, zarten Illustrationen von Nate Taylor.